Kolumne

Rettet uns unser Knoblauchsland!

Von: Sebastian Herbst

Das Knoblauchsland im Städtedreieck Nürnberg-Fürth-Erlangen, begrenzt durch die A 73 im Westen und Nordwesten, durch die A 3 im Osten und Nordosten sowie Nürnberg im Süden, ist bei nicht ansässigen Personen vor allen Dingen aufgrund des Nürnberger Spargels bekannt, der zu einem großen Anteil hier angebaut wird. Wie kontrovers, weshalb heißt es dann bitte nicht „Spargelland“?

So soll das Knoblauchsland erhalten bleiben – Foto: openstreetmap.org

Eine berechtigte Frage, doch hierzu muss man zunächst einmal wissen, dass das Knoblauchsland schon etwas älter ist. Viel älter! Begann doch schon im 8. Jahrhundert die anfängliche und stückweise Erschließung des Gebiets am Sebalder Reichswald. Vor allen Dingen ab 1040 mit der Gründung der Stadt Nürnberg wurde das Knoblauchsland als Gemüseanbaugebiet und Wirtschaftsstützpunkt gestärkt, um die Lage des jungen Nürnbergs zu stabilisieren. Und in dieser Zeit wurde hier eben größtenteils die Zwiebel angebaut. Dies mag vielleicht zunächst ein wenig banal klingen, doch tatsächlich sorgte das Areal noch für viel Ärger, zum Beispiel als es zur Mitte des 15. Jahrhunderts aufgrund von Besitzstreitigkeiten zwischen der Reichsstadt Nürnberg und der Burggrafen Brandenburg-Ansbach einen wesentlichen Auslöser für den Ersten Markgrafenkrieg darstellte.

Tatsächlich hat das Knoblauchsland in heutiger Zeit jedoch den Schwerpunkt seiner Produktion verlegt, heute werden hier neben Zwiebeln auch Zucchini, Auberginen und Rettiche sowie allerhand Kohl, Spargel, Radieschen und Spinat und sogar Blumen und Tabak angebaut, um nur einmal einen kleinen Querschnitt zu geben.

Charakteristisch fürs Knoblauchsland: weite Felder – Foto: Holger Schossig

Trotz dieser Vielfalt hatte das Knoblauchsland in der Vergangenheit immer damit zu kämpfen, keiner Verstädterung zum Opfer zu fallen, die durch die Auslagerung von Wohn- und Gewerbegebieten aus Nürnberg und Fürth in die Natur zustande gekommen wäre. Vor allem in den 90ern sollten in diese Richtung umfangreiche Änderungen vorgenommen werden, zusammengefasst in einem Projekt mit Namen „Gewerbepark im Knoblauchsland“. Auch seit 2003 stehen wieder neue Pläne aus, mit denen Flächen des Gebiets für Gewerbeansiedlungen sowie eine Autobahn- und S-Bahn-Anbindung Einzug ins Knoblauchsland halten sollen. Harte Zeiten also, in denen es gilt, die Hand zu erheben für ein Stück reiner, unberührter, fränkischer Natur. In diesem Sinne: Rettet uns unser Knoblauchsland!

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