Kolumne

Rauhnächte – wildes Treiben in Bayern

Von: Tanja Ranzinger

In Bayern ist das Brauchtum fest verwurzelt. Zwar sind bereits viele Bräuche in Vergessenheit geraten, aber in wenigen Gegenden werden sie noch genauso begangen, wie das unsere Vorfahren schon machten. Die Rauhnächte, am Ende eines alten und am Anfang eines neuen Jahres, sollen nach dem festen Glauben unserer Vorfahren, unter dem Einfluss böser Mächte stehen. Es handelt sich hierbei um die mystische Zeit, welche sich zwischen dem Thomasfest am 21. Dezember und der Nacht vor dem Dreikönigstag am 6. Januar befindet.

So wird in Niederbayern die Rauhnacht gefeiert – Foto: www.sankt-englmar.de

In diesem Zeitraum wurde ganz früher zwölfmal geräuchert, deshalb wurde sehr oft auch von den “Zwölfen” gesprochen. Im Volksmund allerdings sind diese Nächte eher unter dem Begriff “Rauhnächte” oder auch “Rauchnächte bekannt. Rauchnächte deshalb, weil dies daran erinnert, dass man dem üblen Treiben der bösen Geister dadurch Einhalt gebieten wollte, indem man die Wohnräume und Ställe mit Weihrauch ausgeräuchert hatte.

Dieser Brauch wurde bis heute in Altbayern erhalten. Allerdings wird heute überwiegend nur noch an vier Rauhnächten geräuchert. Zu den wichtigsten Rauhnächten zählen die Thomasnacht (21. Dezember), die Christnacht (24. Dezember), die Silvesternacht (31.Dezember) und die Dreikönigsnacht (5. Januar).

Sankt Englmarer Rauhnacht

Heiß her geht´s auch in Rinchnach – Foto: Reinhold Ertl, Tourist-Information Rinchnach

Am 28. Dezember treibt der “Rauwuggerl” in dem beliebten Wintersportort sein Unwesen. Eingekleidet im rauhen Pezgewand tragen die furchterregenden Gesellen handgeschnitzte Masken. Während der “Rauwuggerl” um ein großes Feuer auf dem Kirchplatz tanzt, vertreiben der “bluadige Dammerl”, der “Hobergoas” und die “Luzia” die bösen Geister indem sie mit Kuhglocken scheppern und mit Peitschen knallen. Jedes Jahr kommen zu diesem Spektakel zahlreiche Zuschauer, welche sich an der Schneebar den nötigen Mut antrinken können um den grausigen Gestalten zu begegnen.

Rauhnacht in Rinchnach

Hier sind allerlei Furcht einflößende Gestalten unterwegs – Foto: Reinhold Ertl, Tourist-Information Rinchnach

Das Treiben im Bayerwald geht am nächsten Tag gleich weiter. Am 29. Dezember treffen sich über 500 Rauhnachtgestalten in der Hochburg des Wolfauslassens und Rauhnachttreibens. Großer Andrang ist dort nicht nur bei den Besuchern, welche dem furchterregendem Treiben beiwohnen möchten. Sogar die Nachbarn aus Österreich kommen nach Rinchnach, um sich mit den Widdersdorfer Wolfauslassern zu verbünden, wenn es um den Kampf gegen böse Geister, Hexen und Kobolde geht. Ein großer Umzug läutet die “Wilde Jagd” ein. Überall werden Feuer entzündet, um die dann fröhlich getanzt wird. Wer also Lust hat, eine Open Air Rauhnachtdisco zu erleben, der sollte sich dieses Spektakel nicht entgehen lassen.

Anmerkung der Redaktion: Die Rauhnacht in Rinchnach findet in unregelmäßigen Abständen statt. Näheres zur Termininerung unter www.rinchnach.de.

Kommentar hinterlassen