Kolumne

Poetenfest in Erlangen

Von: Ingrid Neufeld

Poetenfest – Allein schon beim Wort entsteht ein idyllisches Bild im Kopf. Vielleicht ist das auch nur bei mir so. Denn ich war schon beim ersten Poetenfest vor Ort, das damals noch im Burgberggarten in Erlangen stattgefunden hat. Eine recht überschaubare Gruppe an Autoren präsentierte sich im romantischen Ambiente einer noch mehr zufälligen Zuhörerschar.  Initiiert wurde das Poetenfest vom Leiter des Erlanger Kulturamts, Karl Manfred Fischer.

Zum 32. Mal steht Erlangen im Zeichen des Poetenfestes.

Aus diesen Anfängen hat sich mittlerweile ein großes, alljährlich stattfindendes Poeten-Event entwickelt. Allein die Autorenliste ist von zunächst elf Poeten im Jahr 1980 auf einundneunzig Autoren im Jahr 2011 angewachsen. Die Liste der Teilnehmer aller Autoren ist lange. Es gibt viele Poeten, deren Namen gehäuft auftauchen. Es zieht sie immer wieder nach Erlangen. Norbert Niemann bezeichnet die Veranstaltung als „ein Salzburg der Literatur“, Ingo Schulze steigert sie zu „einem Woodstock der Literatur“. Das Erlanger Poeten-Event ist zu einer der beliebtesten und meistbesuchten Literaturveranstaltungen im deutschsprachigen Raum geworden.

Das Poetenfest findet inzwischen nicht mehr im Burgberggarten, sondern im nicht weniger attraktiven Schlossgarten im Herzen Erlangens statt. Das Event beschränkt sich längst nicht mehr auf einen Nachmittag, sondern die Lesungen beginnen schon am Donnerstag. Dann allerdings nicht im Schlossgarten, sondern in umliegenden Gebäuden, wie dem Redoutensaal, Markgrafentheater, oder Theater in der Garage.  Am Wochenende lesen die Poeten verteilt auf mehrere Podien  im Schlossgarten. Jedenfalls bei schönem Wetter. Die Zuhörer müssen auch nicht zwangsweise im Gras lagern, sondern können es sich auf Bierbänken gemütlich machen, die teilweise sogar von Sonnenschirmen überschattet werden. Für Bewirtschaftung ist ebenfalls gesorgt. Allerdings gibt es auch viele Zuhörer, die sich ihre Picknickdecke mitbringen und sich am Rande ein gemütliches Plätzchen suchen.

Bei schönem Wetter finden die Lesungen im Schlossgarten in Erlangen statt – Foto: Erich Malter, 2011

Es sind viele wichtige Neuerscheinungen, die beim Poetenfest erstmals gelesen werden.  Am Hauptpodium wechseln die Autoren im halbstündigen Rhythmus. Anschließend liest der Autor auf einem Nebenpodium, wo er von Literaturkritikern interviewt wird und Fragen des Publikums beantwortet. Außerdem findet noch eine Kinderlesung statt, die von einem Rahmenprogramm begleitet wird. Die Erwachsenen außen herum hören oft am Konzentriertesten zu und schmunzeln gerne über die Kinderliteratur. Auch für Übersetzungen gibt es Raum beim Erlanger Poetenfest, sogar einen eigenen Preis hat man dafür vorgesehen. Im Jahr 2011 wurde  der „Erlanger Literaturpreis für Poesie als Übersetzung“ an die Lyrikerin Elke Erb vergeben.

Insgesamt besteht das Poetenfest aus rund hundert Einzelveranstaltungen, also ein Lese-Event, das sich für jeden Bücherfreund lohnt. Zumal insbesondere die Hauptveranstaltung im Schlossgarten keinen Eintritt kostet. Das 32. Poetenfest findet vom 23.-26. August 2012 statt. Dazu werden über 70 Schriftsteller, Literaturkritiker und Publizisten erwartet. Wir dürfen gespannt sein!

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