Kolumne

Philipp Moritz Fischer – Der vermeintliche Fahrrad-Erfinder

Von: Sebastian Herbst

Mit Mühe können die meisten ambitionierten Radsportler, sei es aus dem hobbymäßigen oder gar dem professionellen Bereich, überhaupt den Erfinder ihres Vehikels nennen: Pierre Michaux. Zwar gab es vielerorts in Europa zu etwa der gleichen Zeit Entwürfe und erste Prototypen, doch beim Tretkurbel-Fahrrad schießen sich die meisten, die überhaupt von einem Erfinder wissen, auf den Franzosen ein. Doch auch um deutsche Erfinder gibt es in diesem Zusammenhang so einiges, was aber wohl ewig in den grauen Zonen der Geschichte verbleiben wird.

Philipp Moritz Fischer war der Vater von Friedrich Fischer, dem Gründer von FAG Kugelfischer

So soll sich auch Philipp Moritz Fischer, geboren am 12. März 1812 in Oberndorf, heute ein Stadtteil von Schweinfurt, nach einer ausgedehnten Europareise an die Arbeit gemacht haben und konstruierte angeblich sowohl ein vierrädriges Veloziped mit mehreren Sitzen, als auch ein einsitziges zweirädriges Veloziped mit Tretkurbel, das dem heutigen Fahrrad schon sehr ähnlich ist. Anregungen hierzu soll er sich in Paris geholt haben – ob er dort jedoch nur die pedallose Version zu Gesicht bekam und der Antrieb über die Pedale sein eigener Verdienst war oder ob er sich die bereits erfundene Technik einfach nur abschaute, wird wohl nicht mehr geklärt werden können.

Durch die sogenannte Enderlein-Chronik, der bis heute einzig belegbaren Quelle, kann Fischer’s Veloziped erst auf 1869 datiert werden. Michaux war mit seinem Veloziped aber bereits zwischen 1855 und 1861 fertig, wobei Letzteres heute das Jahr ist, das meistens in der Literatur genannt. 1897 wurde das Gefährt Fischer’s in einem Leserbrief an eine Münchner Fahrradzeitschrift auf spätestens 1855 datiert. Es gibt für diese Jahreszahl jedoch keine Belege und man geht heute davon aus, dass den Schreiber des Leserbriefs wohl vor allen Dingen der damals weit verbreitete Patriotismus zu dieser Aussage getrieben hat. Und wenn er wahrscheinlich auch nicht der Erfinder des Fahrrads war: Ein geschickter Ingenieur war Philipp Moritz Fischer auf jeden Fall, das beweist seine Velozipedkonstruktion genauso wie seine Werke als Orgelbauer. Und seine Grabsteininschrift „Hier ruht PMF, der Erfinder des Tretkurbel-Fahrrads“ wird noch in Jahrzehnten an diese Geschichte erinnern und den Betrachtern ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern.

1 Kommentar zu Philipp Moritz Fischer – Der vermeintliche Fahrrad-Erfinder

  1. Fahrräder sind heutzutage eines der meist benutzen “Sportgeräte” überhaupt, obwohl sie ja eigentlich als Transportgerät gedacht waren. Das Fahrrad in seiner Urform ohne Tretkurbel ist auf jeden Fall eine deutsche Erfindung von Karl Freiherr von Drais, der das damalige Gefährt auch nach seinen eigenen Namen “Draisine” taufte. Dieses Laufrad erfreute sich schnell großer Beliebtheit, aber konnte sich gegen das Fahrrad mit Pedalen nicht durchsetzen, dennoch benutzen es heutzutage viele Kleinkinder, denen so das Gehen erleichtert wird.

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