Kolumne

Naturschutzgebiet Alzenauer Sande: Heimat für zahlreiche Tiere und Pflanzen

Von: Karola Schmitt

Früher bezeichnete man sandige Flächen als wertloses Ödland. Um sie zu nutzen, wurden sie aufgeforstet, für den Spargelanbau verwendet oder als Gewerbe- und Industriegebiete ausgewiesen. Zudem diente der Sand dem Straßen- und Häuserbau und wurde deshalb in großem Umfang abgebaut. Übrig blieben dann riesige Erdlöcher, die sich nach und nach mit Wasser füllten. In der Nähe von Alzenau (Unterfranken) gelang es jedoch, einen 95,5 Hektar großen Sandmagerrasen als Naturschutzgebiet zu erhalten.

Die Entstehung

Viel Sand und etwas karg: der "Gerichtsplatz" – Foto: Freak-Line-Community

Über 10.000 Jahre ist es her, als gegen Ende der letzten Eiszeit der Main bei Hochwasser Sandbänke an seinen Ufern ablagerte. Starke Westwinde sorgten dafür, dass sich der Sand mit der Zeit in Richtung Osten verlagere. Auf den Sandflächen wachsende Bäume stoppten schließlich die wandernden Dünen. Siedler, die sich im Mittelalter niederließen, rodeten den Wald um Ackerland zu erhalten und gaben damit aber dem Sand seine Freiheit zurück. Im Jahre 1856 gepflanzte Kiefern und Birken stoppten schließlich die erneute Dünenwanderung.

Damals gab es noch insgesamt 2.500 Hektar Flugsanddecken südlich und nördlich der Kahl, die als 32 Kilometer langes Flüsschen bei der Stadt Kahl in den Main fließt. Lediglich drei kleine Reststücke des ehemaligen Sandmagerrasens sind bis 1989 übrig geblieben, als schließlich die Pflegemaßnahmen für die Alzenauer Sande begannen. Die Fläche wird nun in drei Gebiete aufgegliedert, in den „Gerichtsplatz“, das „Neufeld“ und den dritten Bereich bilden die „Alte Weide“, die „Lange Tanne“ und „die Haide“.

Ausweisung als Naturschutzgebiet

Das "Neufeld" in der Alzenauer Sande – Foto: Freak-Line-Community

Damit sich wieder zahlreiche typische Bewohner eines Sandmagerrasens ansiedeln, bestand die erste Maßnahme aus dem Abtragen der mittlerweile auf dem Areal abgelagerten, mit reichlich Nährstoffen versetzten Böden. Das Fällen etlicher Kiefern brachte dazu noch eine bessere Sonneneinstrahlung. Die Nadelstreu, die die Bäume hinterließen, wurde ebenfalls entfernt. Das mit den Landwirten vereinbarte Pufferzonenprogramm legte fest, dass auf den Feldern im direkten Anschluss an die Alzenauer Sande keine Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Außerdem wird dort auf Dünger komplett verzichtet. Im Jahre 1993 erhielten die Alzenauer Sande schließlich die Anerkennung als Naturschutzgebiet. Gleichzeitig zählt die wiederhergestellte Naturlandschaft inzwischen zum FFH-Gebiet (Fauna-Flora-Habitat) und zum als Natura 2000 ausgewiesenen Schutzgebietsnetz von Europa.

Flora und Fauna

Bedrohte Tierarten wie der Sandlaufkäfer sind hier wieder heimisch – Foto: Eric Steinert

Der Erfolg kann sich sehen lassen, denn bereits im Jahre 2000 wurden auf dem Naturschutzgebiet Alzenauer Sande 746 unterschiedliche Pflanzen- und Tierarten gezählt. 186 davon stehen auf der Roten Liste der besonders gefährdeten Arten. Die Pflegemaßnahmen zur Rückgewinnung der Alzenauer Sande haben sich also tatsächlich gelohnt. Der Sandboden eignet sich für Insekten hervorragend zum Bau von unterirdischen Gängen. Zu den seltenen Tieren, die sich in den Alzenauer Sanden nun heimisch fühlen, zählen Sandbienen, Ameisenjungfern und Sandlaufkäfer sowie die Blauflügelige Ödlandschrecke, die Kreiselwespe und der Zierliche Buntgrabläufer. Die Vegetation betreffend überwiegt das Silbergras. Besonders erwähnenswert, weil auf der Roten Liste Bayerns stehend, sind der Sandthymian, das Kleine Filzkraut und der Bauernsenf, die allesamt im Naturschutzgebiet Alzenauer Sande hervorragend gedeihen. Zu den seltenen Pflanzenarten gesellen sich auch viele Flechte und Moose, die dem mageren Nährstoffgehalt und der Trockenheit des Bodens bestens angepasst sind.

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