Kolumne

Matthias Waibel, ein vergessener Märtyrer

Von: Sebastian Herbst

Auch wenn Menschenrechte in den westlichen Ländern heute glücklicherweise als vorstaatlich gelten – das war nicht immer so. Man erinnere sich nur an das Joch, unter dem weite Teile der Bevölkerung, insbesondere die Bauern, im Mittelalter lebten. Dagegen halfen auch zahlreiche Aufstände nichts, wie sie zum Beispiel im Deutschen Bauernkrieg um 1525 ihren Höhepunkt fanden. Dennoch sind sie blutige Zeugen von Unterdrückung und Ausbeutung, die man sich immer wieder ins Gedächtnis rufen sollte. Dazu gehören natürlich auch bedeutende Verfechter der Idee von der Gleichheit des Menschen, zum Beispiel der Allgäuer Matthias Waibel.

Vom Bauernkrieg war halb Bayern betroffen – Grafik: Sansculotte

Was Waibel so besonders macht ist die Tatsache, dass er Geistlicher war und somit eigentlich zu der Gesellschaftsschicht gehörte, die auf Kosten der Bauern lebte. Außergewöhnlich begabt, machte er sogar eine recht steile Karriere, durfte an der Wiener Universität studieren und wurde schnell zum Vikar der Basilika St. Lorenz in Kempten. Dass Waibel die Last der Bauern trotzdem ein Dorn im Auge war lag wohl vor allem daran, dass er selbst aus einer sehr armen Familie stammte. Hätte ein wohlhabender Kemptener nicht sein Talent entdeckt und ihn auf eigene Kosten auf eine Lateinschule geschickt, wäre Waibel wohl nie in den Stand des Klerus aufgestiegen.

Er machte zudem keinen Hehl aus seinem Unmut. Offen schloss er sich der Reformation an und wetterte besonders gegen den Ablasshandel, der der eh schon armen Bevölkerung noch mehr abverlangte. Auch den Stift von St. Lorenz kritisierte er scharf, woraufhin er 1523 nur knapp einem Attentat entging. Waibel ließ sich jedoch auch hiervon nicht einschüchtern und unterstützte weiterhin die Bauernschaft, bis er im Sommer 1525 unter dem Vorwand einer Taufe in einen Hinterhalt gelockt und ins Gefängnis geworfen wurde. Die Kemptener Bürger verlangten zwar Waibels Freilassung, doch stattdessen wurde er am 7. September 1525 ohne Prozess gehängt.

Ein Tod, der Matthias Waibel innerhalb kürzester Zeit den Ruf eines Märtyrers in den umliegenden Orten einbrachte, manche verehrten ihn gar als Heiligen. Innerhalb der Bewegung der Gegenreformation versuchte man jedoch, möglichst viele Spuren von Umstürzlern wie Waibel zu vernichten, weshalb heute nur noch wenig vom ehemaligen Märtyrer zeugt. Ein weiterer Held der Geschichte, der dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen ist.

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