Kolumne

Loewe – von Berlin nach Oberfranken

Von: Sebastian Herbst

Wer sagt, aus Oberfranken komme nichts, der muss sich nur einmal genauer die Unternehmen ansehen, die hier angesiedelt sind. Und ich meine nicht etwa Zweigstellen von Konzernen, die hier eben eine Marketingzentrale betreiben – ich rede von Unternehmen wie der Loewe AG, die über die deutschen Grenzen hinweg mit den sonst eher aus dem asiatischen Raum stammenden Produzenten von Unterhaltungselektronik gut und gerne mithalten kann.

Schon 1923 waren Loewe-Geräte im Einsatz – Foto: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 102-00187

Sicher, der Umsatz hält sich mit 324 Millionen Euro noch in Grenzen im Vergleich zu Marktriesen wie Samsung oder Toshiba. Doch Loewe will auch nicht für den Massenmarkt produzieren. Hier wird mit Qualität geworben. Dass diese ab einem gewissen Punkt, insbesondere bei Produkten, die in Deutschland konstruiert werden, nur über eine kaum noch vertretbare Vernachlässigung des Preis-Leistungs-Verhältnisses erreichbar sind, muss man leider in Kauf nehmen.

Die heutige Loewe AG, an der die japanische Sharp Corporation übrigens mit 29% interessant viele Anteile hält, ging aus den Loewe-Opta Werken in Berlin und Leipzig hervor, gegründet von Dr. Siegmund und David L. Loewe im Jahre 1923. Die damalige Firma profitierte von der florierenden deutschen Rundfunkindustrie, ist aber eines der wenigen Unternehmen, das auch noch heute existiert. Nachdem der Markt von einer starken und vor allem billigen Konkurrenz aus Fernost überrumpelt wurde, mussten viele ihre Produktionshallen für immer schließen.

Die Loewe AG hingegen, deren Vorläufer bereits 1961 brillierte, als man mit dem Optacord 500 wohl den ersten Videorekorder für den Heimanwender auf den Markt brachte, existiert auch heute noch. Und stellt mit seinen 1.042 Mitarbeitern nicht nur einen der größten Arbeitgeber der Region. Es stellt vor allen Dingen einen über 50% größeren Arbeitgeber als Metz, einem ebenfalls deutschen Unternehmen der Rundfunkbranche, das seit seiner Gründung 1938 besteht.

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