Kolumne

Kloster Scheyern: das Grab der Wittelsbacher

Von: Harry Sochor

Eine wahre Odyssee haben die Mönche des Klosters Scheyern in den Anfangsjahren ihrer Abtei hinter sich gebracht. Denn die Wurzeln des Klosters liegen eigentlich in Bayerischzell. In den Bayerischen Alpen ließen nämlich Graf Hermann von Kastl und seine damalige Frau, Gräfin Haziga Gebiete roden. Die Gräfin unterstützte außerdem die Gründung einer Mönchszelle. 1077 wurde diese Zelle von Mönchen aus dem Koster Hirsau im Schwarzwald, das einer katholischen Reformbewegung anhing.

Kloster Scheyern – Foto: Unteroktav

Zehn Jahre nach der Gründung wanderte die Mönchszelle nach Fischbachau ab und wurde weitere acht Jahre später vom Papst bestätigt. Weil die Mönche auch hier unter Platzmangel litten, zogen sie zwischen 1102 und 1107 auf den Petersberg bei Dachau und wurden dort von der Gräfin und anderen Gönnern reich mit Besitzungen beschenkt.

Unter den Schutz des Papstes wurde das Kloster mit seiner Erhebung zur Abtei anno 1102 gestellt. Nachdem Graf Otto V. von Scheyern als der neue Graf von Wittelsbach in deren Burg eingezogen war, wies er den Mönchen die Burg Scheyern als Hauskloster zu. Dahinter stand natürlich auch der Wunsch, dass er einen größeren Einfluss auf das Kloster nehmen wollte. Bekannt war das Kloster Scheyern im 13. Jahrhundert in erster Line für seine Malschule und seine Schreibstube, in der Bücher kopiert wurden.

Im Zuge der Säkularisierung wurde das Kloster am 21. März 1803 aufgehoben. Die Gebäude wechselten öfter den Besitzer. Jedoch errichtete König Ludwig I. das Kloster am 20. September 1838 als Probstei neu. Die Probstei wurde 1842 zur Abtei.

Eine bedeutende Reliquie, das Scheyerer Kreuz, beherbergt das Kloster Scheyern seit 1180. Der Jerusalemer Patriarch Fulcherius hatte im 12. Jahrhundert einen Gesandten mit einem Partikel des Kreuzes nach Europa geschickt, um Spenden zur Erhaltung der heiligen Stätten zu sammeln. 1156 brachten die Dachauer Grafen diesen Partikel in ihren Besitz. Nach dem Tod von Graf Konrad III. kam das Kreuz schließlich nach Scheyern.

In der Chorkapelle des Klosters befindet sich außerdem das erste Familiengrab der Wittelsbacher. Sechs Mitglieder der Dynastie wurden zwischen 1183 und 1267 hier begraben.

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