Kolumne

Kaiserin Sissi: Wenn Bayern Österreich regiert

Von: Harry Sochor

Die fröhliche Unbeschwertheit, die im Schloss Possenhofen geherrscht hatte, dürfte wohl ein Grund gewesen sein, dass sich der Kaiser Franz Joseph I. in die bayerische Prinzessin verliebt hatte. Denn ihre Mutter Ludovika, Tochter von Maximilian I., hatte anders als ihre Schwestern nicht in eine königliche Familie eingeheiratet, sondern den Wittelsbacher Max, der durch die Hochzeit Herzog in Bayern wurde. Weil die Familie keine offiziellen Verpflichtungen hatte, herrschte im Vergleich zum Wiener Hofzeremoniell ein sehr legerer Ton. Ludovika arrangierte zusammen mit der Kaisermutter Sophie ein Treffen der Familien in Bad Ischl, denn eigentlich sollte Sissis Schwester Helene den Kaiser ehelichen.

Kaiserin Elisabeth, kurz Sissi, einst Herzogin in Bayern

Dieser verliebte sich jedoch auf den ersten Blick in Elisabeth und machte damit den Heiratsplänen der Mütter einen Strich durch die Rechnung: Schon zwei Tage nach dem Kennenlernen, am 18. August 1853, hielt er um Sissis Hand an. Schließlich verließ Sissi am 20. April 1854 die Heimat und reiste von Straubung aus auf dem Raddampfer “Franz Joseph” nach Wien. Die pompöse Trauung vollzog Kardinal Joseph Othmar von Rauscher in der Wiener Augustinerkirche vor 70 Kardinälen und Prälaten.

Die älteste Tochter Sophie Friederike wurde etwa ein Jahr nach der Hochzeit geboren, Tochter Gisela folgte ein Jahr später. Doch schon kurz nach der Geburt nahm die Schwiegermutter die Kinder in ihre Obhut, weil die 17jährige Kaiserin zu jung für die Erziehung sei. Ab dieser Zeit litt Sissi massiv unter dem strengen Regiment des Hofzeremoniells. Erst recht, nachdem 1858 Kronprinz Rudolf Franz Karl geboren wurde. Der Kronprinz wurde schon im Kindesalter nach militärischen Maßstäben erzogen, so wurde er beispielsweise morgens mit einem Eimer kalten Wasser geweckt. Der Junge litt sehr darunter und nahm sich schließlich 1889 das Leben – seitdem trug Sissi nur noch schwarze Gewänder.

1854 heiratete Sissi Franz Joseph I. von Österreich

Die Kaiserin erholte sich von der Geburt des Sohnes allerdings nur langsam und litt in den folgenden Jahren unter einem fragilen Gesundheitszustand. So litt Sissi 1860 unter einem starken Husten und musste eine Kur auf Madeira absolvieren. Für die Kaiserin war diese erste Auslandsreise, die sie ohne Begleitung machte, eine sehr willkommene Flucht vom starren Leben am Hof. Auch nachdem sie nach zwei Jahren nach Wien zurück kehrte, blieb sie nicht lange. Sissis Reisen führten sie unter anderem nach Korfu, wo sie sich ab 1889 ein griechisches Schloss im pompejischen Stil erbauen ließ. Neben Zielen in Europa bereiste Sissi auch Kleinasien und Nordafrika.

Vom politischen Geschehen hielt sich die Kaiserin zeitlebens fern. Einzig in Sachen Ausgleich mit Ungarn war die Kaiserin aktiv und setzte diesen Anfang 1867 auch gegen große Widerstände am Wiener Hof durch. Die Ungarn erhielten ihre Verfassung von 1848 zurück und Franz Jospeh und Sissi wurden am 8. Juni zum ungarischen Königspaar gekrönt. Auch dieses Land blieb ein beliebter Zufluchtsort der Kaiserin.

1898 wurde Sissi von Luigi Luccheni ermordet

Ein Herzleiden wollte Sissi ab 16. Ju,i 1898 in Bad Nauheim auskurieren. Die magerüchtige und körperlich schwache Kaiserin verließ die Stadt aber am 29. August fluchtartig und reiste an den Genfer See. Am 10. September 1898 rammte ihr der italienische Anarchist Luigi Lucheni auf dem Weg vom Hotel zum Schiff, mit dem sie weiterreisen wollte, eine Feile direkt ins Herz. Sie bemerkte die Verwundung aber zunächst nicht, sondern brach erst an Bord des Schiffes zusammen. Ziel des Attentates war eigentlich Prinz Henri Philippe d´Orléans. Doch nachdem dieser seine Reisepläne geändert hatte, wählte er die Kaiserin als Ziel. Ihr Tod löste in ganz Europa große Bestürzung aus, war Sissi als volksnahe Kaiserin beim Volk doch äußerst beliebt.

Legendär war die Kaiserin übrigens für ihre Schönheit, die sie ausgiebig pflegte. So galt Sissi als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit, die ihren Körper mit strengen Diäten und einem straffen Sportprogramm in Form hielt. Allerdings hatte dieses Schönheitsideal auch ihre Schattenseiten. So war Sissi magersüchtig und aus heutiger Sicht spricht vieles dafür, dass sie unter krankhaften Essstörungen gelitten hat, auch dürfte die Kaiserin von Depressionen geplagt worden sein.

Kommentar hinterlassen