Kolumne

-ing, -ingen oder -ungen? – Ortsnamen in Bayern

Von: Tilman Weigel

Vor allem bei englischsprachigen Touristen lösen manche Ortsnamen im bairischen Sprachgebiet Heiterkeit aus. Am bekanntesten dürfte wohl das österreichische Fucking sein, aber auch Kissing bei Augsburg und Petting im Landkreis Traunstein lassen Besucher schmunzeln. Die berühmteste unterfränkische Kurstadt heißt dagegen glücklicherweise nicht Bad Kissing, sondern Bad Kissingen. Aber warum?

Straubing heißt nun mal nicht Straubingen – Foto: Donaulustig

Im Prinzip bedeuten alle Endungen das Gleiche. Sie deuten eine Zugehörigkeit an, etwa im Sinne von “der Ort des…”. Auf dem heutigen Stadtgebiet des niederbayerische Straubing beispielsweise soll sich ein gewisser Strupo mit seinen Mannen niedergelassen haben. Daraus entstand der Name Strupinga. Es ist also der Ort des Strupo, genauer gesagt “dem Strupo seine Orte”, denn die Sprachwissenschaftler klassifizieren die Endung als Dativ Plural.

Nicht immer muss es allerdings ein Mensch sein. Auch ein Naturmerkmal wie ein Fels, ein Bach oder ein Tal können namensgebend sein.

Und Greding nicht Gredingen, das hat schon seinen Grund – Foto: Mathias Bigge

Aber warum heißt Bad Kissingen nicht Bad Kissing und Petting nicht Pettingen wie ein Ort in Luxemburg? Das hängt mit der Region zusammen. Die Endung -ing deutet auf den bairischen Sprachraum hin, die Endung -ingen ist in Franken und Schwaben vertreten.

Allerdings hält sie sich nicht an die heutigen Grenzen der Regierungsbezirke. Kissing liegt wie erwähnt bei Augsburg und damit in Schwaben, Greding dagegen (bekannt vor allem wegen der von einem amerikanischen Burgerbraters betriebenen Autobahnraststätte) in Mittelfranken.

Schon eher sind die Dialektgrenzen aussagekräftig. Kissing liegt wie Merching, Mering und Ottmaring östlich des Lech – und damit zwar in Schwaben, aber im bairischen Sprachgebiet. Dagegen liegt das nur wenige Kilometer entfernte Bobingen auf der anderen Lechseite, also im schwäbischen Sprachgebiet.

Allerdings haben sich die Dialektgrenzen immer wieder verschoben. So gibt es im fränkischsprachigen Nürnberg einen Stadtteil namens Schniegling.

Nur wenige Bayern dürften dagegen wissen, dass es im Freistaat noch eine dritte Variante gibt. In der Rhön enden viele Orte – ebenso wie vor allem in Thüringen – auf -ungen, beispielsweise Fladungen. Die Bedeutung ist aber auch hier die gleiche.

1 Kommentar zu -ing, -ingen oder -ungen? – Ortsnamen in Bayern

  1. Noch sonderbarer wäre Straubungen oder Gredungen.

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