Kolumne

In Bayern können Felsen wachsen

Von: Tanja Ranzinger

Ja, Sie haben richtig gelesen, in Niederbayern, genauer gesagt in Usterling bei Landau an der Isar gibt es einen Felsen, der über Tausende von Jahren gewachsen ist. Der Wachsende Felsen wird auch Johannisfelsen genannt und wurde als Naturdenkmal in die Liste der 100 schönsten Geotope in Bayern aufgenommen.

Der Wachsende Felsen, deutlich zu sehen: die mittige Rinne – Foto: Edl

Aber nun von vorne. Vor mehr als 5.000 Jahren war an der Stelle des wachsenden Felsens eine steinerne Rinne. Bei steinernen Rinnen handelt es sich um bizarre Gebilde, welche vor allem an kalkhaltigen Quellen entstehen. Auch hier beim wachsenden Felsen in Usterling gibt es so eine Quelle, welche seit Jahrtausenden durch diese Kalktuffablagerungen zu einer gewaltigen Felswand gewachsen ist. Ihre Länge beträgt mittlerweile über 40 Meter, aber auch ihre Höhe von fünf Metern ist durchaus beeindruckend. Damit ist der Wachsende Felsen die größte steinerne Rinne in Bayern.

Noch heute rinnt das kleine Quellbächlein, dessen Wasser übrigens heilende Kräfte nachgesagt werden, über den  nur handbreiten Rücken des Felsens. Das ist vor allem den Menschen zu verdanken, welche über Jahrhunderte die Rinne von Laub und Erde befreiten. Selbst im Winter wurde das Wasser umgeleitet, damit Frost und Eis der Rinne keinen Schaden zufügten. Vorne an der Felswand hat sich eine Felsnase gebildet, über diese fällt das Quellwasser in ein natürliches Becken.

Welche Bedeutung hat der Johannisfelsen für die Menschen?

Die Darstellung des Felsens in der Usterlinger Kirche – Foto: Sue107, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

In der Usterlinger Kirche befindet sich das älteste Abbild des wachsenden Felsens. Auf dem Altarbild aus dem Jahr 1520 sieht man Johannes den Täufer und Jesus Christi bei der Taufe. Das Taufwasser wurde von der Quelle gespendet, welches über die steinerne Rinne lief. So auch die Namensgebung „Johannisfelsen“.

Wie anfangs schon erwähnt, werden dem Quellwasser heilende Kräfte nachgesagt, welche vor allem bei Augenleiden helfen sollen. Seit Jahrhunderten gilt deshalb Usterling als Wallfahrtsort, zu dem jährlich viele Menschen kommen, um sich am Johannistag, am 24. Juni an der Quelle ihre Augen zu waschen.

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