Kolumne

Hier lärmt die Stille! – Autobahnkirche in Geiselwind!

Von: Ingrid Neufeld

Es gibt sie seit 2001, die erste, privat finanzierte, ökumenische Autobahnkirche Deutschlands an der Autobahn A3 bei Geiselwind. Wenn Sie also Ihr Weg durch den schönen Steigerwald führt, Sie Richtung Würzburg, oder in der Gegenrichtung nach Nürnberg unterwegs sind, sollten Sie es nicht versäumen, an der Raststätte Geiselwind abzufahren. Zwischen Tankstelle, Schnellrestaurants und Hotel hat sie den schönsten Platz im Hof bekommen: Die Autobahnkirche Geiselwind.

Die dreistöckige Autobahnkirche Geiselwind – Foto: Eventzentrum Geiselwind

Es lohnt sich wirklich, dieses dreistöckige Gotteshaus mit dem 30 Meter hohen Glockenturm zu betreten, sei es um inne zu halten und Gott ein Stück näher zu sein, inmitten des sonst so dahinrasenden Lebens, oder auch nur aus Neugier. Die Familie Strohofer praktiziert ihren Katholizismus und hat hier einen Ort geschaffen, an dem der Reisende Erholung an Leib und Seele finden kann. Er wird mit dem Motto „Licht auf unserem Weg“ empfangen und kann der Aufforderung „Kommt alle“ folgen, wobei er von meditativer Musik begleitet wird. Im Inneren gelangt er in einen eher schlicht gehaltenen Kirchenraum, der Blick fällt auf ein Bodenkreuz, das bis in den Altarraum hineinführt. In der Mitte des Querbalkens schuf der Künstler Jürn Ehlers eine Wurzel mit zwölf Ästen, die sowohl die Apostel symbolisieren sollen, als auch die zwölf Stämme Israels. Diese Wurzel ragt aus dem Balken heraus nach oben, um Stütze des Altars zu sein. Darauf liegt eine Altarplatte, in der die zwölf Äste enden. Die Verwendung der beiden Materialien Holz und Glas sollen Gegensätze des Lebens zeigen, wie Freud und Leid. Im Altarbild von Hinrich Schüler dominiert die Farbe Rot, weil Rot, die Farbe der Liebe ist. Hier kommt die nie versiegende Quelle der Liebe Gottes zum Ausdruck.

Der Altarraum der Kirche – Foto: Eventzentrum Geiselwind

Durch die Schlichtheit des Kirchenraums fühlt sich der Besucher nicht unnötig abgelenkt und kann sich kniend, oder sitzend seiner eigenen Betrachtung widmen.

Der Schutzpatron der Kirche ist der Heilige Antonius von Padua, und zwar weil er wegen dem Hl. Christopherus der Schutzpatron der Reisenden ist. In Franken nennt man ihn auch „Schlamperpatron“, weil er hilft, verloren gegangene Sachen wiederzufinden. Außerdem ist er der Namenspatron vom Seniorchef und Erbauer dieser Kirche, Anton Strohofer, aber auch der seines 1983 tödlich verunglückten Sohnes, der ebenfalls Anton hieß.

Wie es sich für eine Kirche gehört, finden auch regelmäßige Gottesdienste statt, und zwar sonntags um 14.00 Uhr (nicht im Sommer), wobei sich die Konfessionen hier abwechseln. Geöffnet ist die Kirche vierundzwanzig Stunden am Tag.

Wer sich von der Stille dieser Kirche gefangen nehmen lässt, muss sich erst allmählich wieder darauf besinnen, wo sie eigentlich steht, nämlich mitten in einem Event-Zentrum, das für die unterschiedlichsten Veranstaltungen genutzt wird. Doch mit diesem Ort der Stille hat die Familie Strohofer gezeigt, dass es bei der Führung eines Unternehmens nicht immer nur um Profit gehen muss, sondern dass es möglich ist, auch spirituelle Werte mit einzubeziehen. Auch heute noch, in unserer doch sehr säkularisierten Welt.

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