Kolumne

Heilig Geist Spital in Nürnberg – ein Schatz auf Erden

Von: Jutta Schneider

Am Heilig Geist Spital in Nürnberg kommt man automatisch vorbei – egal, ob man sich als Tourist oder als alteingesessener Nürnberger in der Innenstadt bewegt. Das gilt selbstverständlich auch für Fürther, Erlanger und sonstige Besucher aus dem Umland, sowie für herzlich willkommene Zugezogene. Über den nördlichen Pegnitzarm erhebt sich malerisch das auffällige Gebäude aus dem 14. Jahrhundert und bietet damit eines der bekanntesten Foto- und Postkartenmotive in und aus Nürnberg. Zierliche Erker, nach oben spitz zulaufend, hohe und schmale Fenster, hochgezogenes Dach, über dem Fluss und abends romantisch beleuchtet – so zeigt sich das Gebäude von seiner schönsten Seite.

Das Heilig Geist Spital um 1730 herum

Bevor das Heilig Geist Spital erbaut wurde, gab es einen Vorläufer, der schon ca. 200 Jahre vorher entstand. Das Elisabethspital wurde nämlich schon vor 1300 von Brüdern des Deutschen Ordens gegründet und als eine der ersten Armenanstalten im damaligen Deutschland geführt. Die Bezeichnung „Altes Spital“ stammt aus dieser Zeit. Die Aufnahmekapazitäten des Spitals wurden im Lauf der Jahre immer wieder auf eine harte Probe gestellt, denn es wurden getreu dem christlichen Motto nicht nur Ordensbrüder gepflegt, sondern es erhielten auch Nürnberger Bürger Zugang. Im 14. Jahrhundert war die Einrichtung endgültig zu klein geworden und so kam eine Schenkung von Burggraf Friedrich IV. im Jahr 1336 an den Bürger Konrad Groß gerade rechtzeitig. Dieser erwies sich zum wiederholten Mal als Wohltäter und verwendete das geschenkte Vermögen dazu, das Elisabethspital auszubauen und zu ergänzen.

Vom Schatz im Himmel zum Schatz auf Erden

Das Heilig Geist Spital heute – Foto: Taxiarchos228

So ganz uneigennützig war diese weitreichende Entscheidung allerdings nicht, denn es galt zur damaligen Zeit als sogenanntes Seelgerät, Gutes zu tun. Konrad Groß hatte wohl auch sein eigenes Seelenheil und Wohl im Auge, als er sich großherzig zeigte. Mit dem Bau des Heilig Geist Spitals legte er einen „Schatz im Himmel“ an, der einen gewissen Ausgleich zu seinen irdischen Sünden darstellen sollte, von denen allerdings keine überliefert sind. Egal – es zählt, was daraus entstehen konnte und das entpuppte sich nachhaltig als „Schatz auf Erden“. Was Konrad Groß allerdings zu seinen Lebzeiten nicht absehen konnte, war die Wirkung seiner Tat. Er wurde nämlich zum Begründer des Spitalwesens, Armenfürsorge und Altenpflege, die als Heilig-Geist-Bewegung weit über die Grenzen von Nürnberg, Mittelfranken, Bayern – ja auch von Deutschland hinausging. In diesem Sinn ist das Heilig Geist Spital auch heute noch ein Altenheim, das von der Stadt Nürnberg als Stiftung betrieben wird.

Es gibt aber auch etwas für das leibliche Wohl im HeiGei, wie das Neue oder Heilig Geist Spital im Nürnberger Slang auch genannt wird. Ein renommiertes Lokal wartet u.a. auch mit Nürnberger Spezialitäten auf und es gibt immer noch den Heilig-Geist- Vortrunk auf der Getränkekarte. Damit wird eine ca. 500 Jahre alte Tradition in veränderter Form fortgeführt, denn damals wurde als Inhalt einer Stiftung verfügt, den Bewohnern des Spitals täglich einen stärkenden Schoppen Wein einzuschenken – den muss man heute allerdings als Gast im Restaurant bezahlen.

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