Kolumne

Heckenwirtschaften in Unterfranken

Von: Tilman Weigel

Mit dem Frühling beginnt in Bayern die Biergartenzeit. Die Unterfranken aber erwarten viele vor allem die Eröffnung der Heckenwirtschaften. Das sind kleine Gastbetriebe, die von Winzern betrieben werden. Diese haben traditionell das Recht, ihren eigenen Wein und einfache Speisen zu verkaufen, ohne dafür eine Gaststättenkonzession zu haben. Eine einfache Anzeige beim Gewerbeamt reicht. Dafür dürfen Heckenwirtschaften maximal 40 Plätze haben. Wie viele Menschen auf diesen 40 Plätzen dann sitzen ist allerdings egal. Außerdem dürfen sie höchstens zweimal im Jahr für insgesamt nur vier Monate öffnen und nur einfaches Essen verkaufen. Geradezu exemplarisch sind Wurst- und Kästeplatten, Bratwürste, Gerupfter (im übrigen Bayern als Obatzter bekannt) und blaue Zipfel.

Eine typische Heckenwirtschaft in Volkach in Unterfranken – Foto: Sigismund von Dobschütz

Das Wichtigste ist jedoch der eigene Wein. Das Gesetz schreibt sogar vor, dass eine Heckenwirtschaft sich da befinden muss, wo der Wein auch hergestellt wird. Die erlaubten zwei Öffnungsperioden nutzen viele Winzer, um einmal zum Weinausschank zu öffnen und einmal kurz nach der Weinlese, um Federweißen anzubieten.

In anderen Länder sind sie auch als Straußen- oder Besenwirtschaften bekannt, in Österreich und Südtirol als Buschenschank. Angeblich geht dieses Privileg auf einen Erlass Karls des Großen zurück. Eine Legende, die allerdings umstritten ist. Sicher ist nur, dass es Heckenwirtschaften schon sehr, sehr lange gibt.

Mancher Winzer (fränkisch: Häcker) räumen für den Gastbetrieb ihre Garage aus, andere haben im Keller Gasträume untergebracht und wieder andere eigene kleine Gasträume gebaut. Es soll sogar Winzer geben, die den Gästen ihr Wohnzimmer zur Verfügung stellen. Bei anderen Heckenwirtschaften ist dagegen der Übergang zur „normalen“ Gastronomie fließend. Mitunter handelt es sich um Wirtshäuser, die während bestimmter Zeiten ihre Freiplätze als Heckenwirtschaft vermarkten oder zusätzliche Plätze bereitstellen, so wie mancherorts jede Terrasse mit mindestens einem Baum zum Biergarten wird.

Am schönsten ist es natürlich, draußen in der Nähe des Weinbergs zu sitzen. Idealerweise etwas außerhalb aber nah genug, um anschließend zu Fuß wieder nach Haus zu kommen. Mehrere Seiten im Internet informieren die Unterfranken darüber, wer gerade wo geöffnet hat.

1 Kommentar zu Heckenwirtschaften in Unterfranken

  1. Ja, die Heckenwirtschaften bzw. wie es bei uns in der Mainregion heist Häckerwirtschaften sind was feines. Leider habe ich keine Häckerwirtschaft, obwohl mein Nachname Häcker ist.

    In vielen Gemeinden rund um MIltenberg werden Häckerwirtschaften mit eigenen Weinen angeboten.

    In manchen muss man schon reservieren, ob noch einen Platz zu bekommen.

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