Kolumne

Fränkisch: der Dialekt im Norden Bayerns

Von: Tilman Weigel

Es ist schon ein Kreuz mit dem Dialekt. Nicht nur, dass es in Bayern mit Bairisch, Fränkisch und Schwäbisch drei große Dialektgruppen gibt, auch die unterteilen sich wieder in unzählige Teil- und Untergruppen.

Fränkisch sprechen in den Niederlanden

So verbreitet ist die fränkische Sprache, sie reicht vom oberdeutschen Sprachraum (blau) über den mitteldeutschen (grün) bis zum niederländischen (gelb) – Grafik: Imperator24

Um es kompliziert zu machen: Die Sprachforscher bezeichnen als Fränkisch eine ganze Reihe von Dialekten, die sprachlich nicht viel miteinander zu tun haben. Das hat eher historische Gründe, denn fast alle Gebiete liegen in der ehemaligen Provinz Austrasien, dem ältesten Teil des Frankenreichs. Selbst das Niederländische gehört für die Wissenschaftler zum Fränkischen.

Umgangssprachlich meint man mit Fränkisch die ostfränkischen Dialekte. Die Sprachforscher sind sich allerdings nicht recht einig, wie sie diese Dialektgruppe weiter unterteilen wollen. Mal sind es 14, mal nur drei Untergruppen. Das Historische Lexikon Bayerns wählt vier Unterteilungen, drei ostfränkische Dialektgruppen und einen großen Übergangsbereich zum Nordbairischen.

Unterostfränkisch ist anders

Schon in Würzburg spricht man anders Fränkisch… – Foto: © Dieter Kaiser / PIXELIO

In Unterfranken und im Coburger Raum wird überwiegend Unterostfränkisch gesprochen wird. Die Dialekte hier unterscheiden sich vergleichsweise deutlich von denen der beiden anderen Dialektgruppen. Viele Verbindungen gibt es zum Thüringischen. Nordwestlich von Würzburg macht sich schon das Hessische bemerkbar. Hier wird der Kasplootz (Käsekuchen) zum Matteplootz. Typisch ist die Verniedlichung auf -le wie in Mädle für Mädchen.

Südostfränkisch: Vor allem in Baden-Württemberg

…als in Coburg… – Foto: Mike aus dem Bayerwald

Südostfränkisch wird in Bayern nur in einer kleinen Grenzregion ganz im Westen zwischen Rothenburg und Wassertrüdigen gesprochen. Ansonsten liegen die südostfränkischen Dialekte vor allem im baden-württembergischen Franken in der Region Heilbronn. In diesen Dialekten sind die schwäbischen Einflüsse besonders stark. Ansonsten haben sie viele Gemeinsamkeiten mit dem Oberostfränkischen. Viele Worte wie Flaschner (Klempner) und Mockelein (Kalb) gibt es sowohl in diesen beiden Dialektgruppen als auch im Badischen, nicht aber in Unterfranken.

Die meisten Franken reden Oberostfränkisch

…oder in Nürnberg – Foto: Holger Schossig

Der größte Teil Ober- und Mittelfrankens spricht dagegen Oberostfränkisch. Typisch ist wie im Südostfränkischen der Gebrauch des Vokals a genutzt wird, beispielsweise in Glaad (Kleid) oder braad (breit). Auch die Verniedlichung erfolgt in der Einzahl nicht auf -le sonder auf -la. Das unterfränkische Mädle ist hier ein Madla.

Große Übergangsregion zum Nordbairischen

Im Sechsämterland sowie östlich und südlich von Nürnberg wird ein nordbairisch angehauchtes Fränkisch gesprochen. Kennzeichnend sind die Laute “ou” und “ai” wie in der “baise Bou” (der böse Junge). Auch Wörter wie Gagala (Ei) versteht man selbst in Südtirol besser als in Würzburg, wo das Ei ein Ä ist.

Deshalb können Unterfranken Sätze wie “I hä än Ä ü” sagen, während man im Ostoberfränkischen arabisch klingende Aussagen wie “A Marmaladnamala hama a da” kennt und der Nürnberger einer Nervensäge bescheiden kann: “Lou mer mei Rou, Bou”. Bedeuten tut dies übrigens “Ich habe ein Ei übrig”, “Wir haben auch ein Marmeladeneimerchen da” und “Lass mir meine Ruhe, Junge”.

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