Kolumne

Franken – Von der Großmacht zum Regierungsbezirk

Von: Sebastian Herbst

foto-sebastian-2Wer hätte gedacht, dass der fränkische Dialekt nicht nur in Franken gesprochen wird? Oder dass die Vorfahren der heutigen Berliner, Hamburger, Stuttgarter, der Hessen, Sachsen und Schleswig-Holsteiner einmal Franken waren? Sie auch nicht? Dann wird es aber Zeit für einen kleinen historischen Exkurs.

Aus mehreren germanischen Stämmen, die sich an der römischen Grenze angesiedelt hatten und sich selbst „Franken“ (die „Mutigen“, die „Kühnen“, ferner auch die „Freien“) nannten, entstand ab dem 3. Jahrhundert nach Christus schließlich der Stammesbund, der essentiell war für die Entstehung des späteren Frankenreichs.

Das Symbol der Franken: der fränkische Rechen - Foto: © Ilse Dunkel / PIXELIO

Das Symbol der Franken: der fränkische Rechen – Foto: © Ilse Dunkel / PIXELIO

Mit der Völkerwanderung drang der Stammesbund in das heutige Gebiet des fränkischen Sprachraums vor, also vor allen Dingen Nordbayern, Nordwürttemberg und Südthüringen, aber auch das Rheinland, der nördliche Elsass, Luxemburg, Ostbelgien und die heutigen Niederlande.

Aufgrund der Größe des Reiches war es nun vonnöten, einen einzigen Herrscher an der Spitze zu haben, den der Stamm der Merowinger stellte, die bis zur Mitte des 8. Jahrhunderts das Königsgeschlecht waren. Besonders zu erwähnen ist hier Chlodwig I., der durch ausgedehnte Eroberungen das Reich in den Süden bis hinunter zu den Pyrenäen und nach Westen bis zur französischen Küste vergrößerte. Unter seinen Nachfahren wurde schließlich fast das gesamte Gebiet des heutigen Deutschlands und Frankreichs vereinigt.

Ein relativ steiler Aufstieg, der auch nach 751 weiterging. Allerdings nicht unter den Merowingern, deren Herrscher abgesetzt wurde, sondern unter Pippin dem Jüngeren, ein Vorfahre Karls des Großen, der zum Geschlecht der Karolinger gehörte, und das ist wohl das Spektakuläre daran, vorher von den Merowingern als Verwalter des Reichs eingesetzt worden waren. Ein ziemlicher Vertrauensbruch also.

Die Franken sind stolz auf Ihre schöne Landschaft - Foto: © Hartmut910 / PIXELIO

Die Franken sind stolz auf Ihre schöne Landschaft (hier: Oberfranken) – Foto: © Hartmut910 / PIXELIO

Doch auch die Karolinger herrschten gut, dehnten das Reich vor allen Dingen nach Nord- und Südwesten und in Italien bis nach Rom aus. Das Reich hatte seine Blüte erreicht. Und wie es so ist, wenn etwas aufblüht, muss man auch immer gleich an das Welken denken. Dies begann in der Mitte des 9. Jahrhunderts, als das Frankenreich aufgrund der Uneinigkeiten der Enkel Karls des Großen dreigeteilt wurde. Es entstand das westliche Reich und Lothringen, ungefähr auf dem Gebiet des heutigen Frankreichs, in dem die fränkische Kultur und Sprache nie sonderlich große Verbreitung fand, und das östliche Reich, das über den Umweg über das Heilige Römische Reich (Deutscher Nation) schließlich zu Deutschland wurde, wo die heutigen ober-, mittel- und westmitteldeutschen Dialekte den gleichen Ursprung haben, nämlich im Frankenreich.

Die Weichen für die Entstehung Deutschland wurden schließlich zu Beginn des 19. Jahrhunderts gestellt, als Napoleon seinen Feldzug gegen ganz Europa antrat und umfangreiche Änderungen im heutigen Deutschland vornahm. So übergab der französische Feldherr 1803 einerseits im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses, also der Entschädigung der deutschen Fürsten, andererseits um die Loyalität Bayerns zu erwirken, das Gebiet Frankens an den bayerischen König und legte damit die Grundlage für die heutigen drei Regierungsbezirke im Freistaat.

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