Kolumne

Erlenbach am Main als Tor zu den Weinterrassen

Von: Karola Schmitt

Der Main und die mit Weintrauben bewachsene Steillagen-Landschaft mit den Buntsandstein-Terrassen bilden die herrliche Kulisse der unterfränkischen Stadt Erlenbach im Landkreis Miltenberg. Der Fluss, der die gesamte Region prägt, bildet hier einen Teil des Mainvierecks und verbindet Miltenberg mit Aschaffenburg. Eine Sage berichtet, dass Erlenbach bereits im Jahr 1183 die „Marktgerechtigkeit“ verliehen bekam. Es soll sogar König Barbarossa höchst persönlich gewesen sein, der Erlenbach diese Ehre zuteil werden ließ, weil er sich dafür bedankte, dass ihm Einwohner des Ortes das Leben retteten. Einen schriftlichen Beweis darüber gibt es allerdings nicht. Die erste Erwähnung Erlenbachs in urkundlichen Dokumenten erfolgte erst anno 1236.

Die Geschichte von Erlenbach am Main

Erlenbach liegt idyllisch, umgeben von Weinbergen, am Fränkischen Rotwein Wanderweg – Foto: Maulaff

Ob es in prähistorischer Zeit bereits Siedlungen im Bereich der heutigen Stadt Erlenbach gab, ließ sich bisher nicht klären. Gefundene Gräber liefern aber den Beweis, dass zumindest wandernde Volksgruppen am Main unterwegs waren. Vier entdeckte Hügelgräber stammen aus der Bronzezeit um 1550 bis 1250 vor unserer Zeitrechnung. Weitere zwei gefundene Urnengräber werden auf die Zeit zwischen 1000 und 800 v. Chr. datiert. Zur Zeit der Römer lag Erlenbach jenseits des nassen Limes, den der Main bildete. Die am gegenüber liegenden Flussufer liegende Stadt Wörth am Main zählte zum römischen Gebiet. Die germanischen Stämme verlagerten, um den Römern auszuweichen, ihre Siedlungen weiter nach Osten. Erst 531 kamen die Franken wieder an den Main zurück. Die ältesten gefundenen Fundamente innerhalb der Gemarkung von Erlenbach schätzt man auf die Zeit zwischen 800 und 900 unserer Zeitrechnung. Bis zu Beginn des 19. Jahrhunderts gehörte Erlenbach zu Kurmainz. Dies änderte sich im Jahre 1803, denn dann zählte die Gemeinde zunächst zum Fürstentum Aschaffenburg und im Anschluss daran zum Großherzogtum Frankfurt. 1814 besaß sogar für eine kurze Zeitpanne Österreich die Herrschaft über die Stadt, bis Erlenbach schließlich zum Königreich Bayern eingegliedert wurde.

Erlenbach als Wirtschaftsstandort

Das eingemeindete Mechenhard gehört heute zu Erlenbach – Foto: Fritz Geller-Grimm

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hielt auch in Erlenbach das Industriezeitalter Einzug. Das Schifferstädtchen Wörth am Main verlegte zu dieser Zeit den Standort seiner Werft auf die andere Mainseite. Zudem brachten die neu errichteten Glanzstoffwerke sehr viele Menschen in Arbeit. Eine eigens geschaffene Glanzstoffsiedlung versorgte die Arbeiter mit Wohnmöglichkeiten. Der erste Spatenstich des Prototyps Siedlungshaus erfolgte 1937. Als reichste Gemeinde Bayerns machte Erlenbach nach dem Krieg von sich reden. Die hohen Gewerbesteuereinnahmen waren sicherlich nicht unerheblich daran beteiligt, dass Erlenbach 1955 zum Markt und 1970 zur Stadt ernannt wurde.

Erlenbach als Zentrum

Das in den frühen Sechzigern errichtete Kreiskrankenhaus förderte die überörtliche Bedeutung von Erlenbach. Dazu kam noch das 1968 eingeweihte Gymnasium, das den Altlandkreis Obernburg in Sachen Bildung abdeckte. Seit der Gebietsreform von 1972 gehört Erlenbach, so wie die meisten anderen Gemeinden des ehemaligen Landkreises Obernburg, nun zur Kreisstadt Miltenberg. Es folgte anschließend noch die Eingemeindung von Mechenhard und Streit, die jetzt Stadtteile von Erlenbach sind. Mit insgesamt 10.000 Einwohnern besitzt Erlenbach die höchste Einwohnerzahl aller Gemeinden des Landkreises. Die Frankenhalle als Austragungsort für Konzerte, Theaterstücke und Musicals, die Kino-Passage, das Bergschwimmbad, die Stadtbücherei, sowie die Musik- und und die Volkshochschule machen Erlenbach zu einem Kultur- und Freizeitzentrum. Mit der Kirche St. Peter und Paul und der Martin-Luther-Kirche haben sowohl katholische als auch evangelische Gläubige ein eigenes Gotteshaus. Darüber hinaus gibt es in Erlenbach ein Gebetshaus der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde, eine Moschee der DITIB-Türkisch-Islamischen Gemeinschaft und ein Königreichsaal der Zeugen Jehovas.

Touristische Attraktionen in Erlenbach am Main

Die Kirche St. Peter und Paul – Foto: Tilman AB

Auf insgesamt 70 km Länge führt der Fränkische Rotwein Wanderweg auch an Erlenbach am Main vorbei. Auf den steilen, aus Buntsandstein bestehenden Mainterrassen reifen schon seit Jahrhunderten die Trauben für den köstlichen Erlenbacher Wein. Der jedes Jahr im Frühjahr stattfindende Barbarossa-Markt unterhält die Besucher mit Showbühnen, Marktständen und zahlreichen kulinarischen Leckerbissen. Alljährlich im Sommer laden die örtlichen Winzer und die jeweils gekürte Weinprinzessin anlässlich des Erlenbacher Weinfestes Menschen aus nah und fern zum Genuss des Rebensaftes ein. Neuerdings verfügt die Stadt Erlenbach über einen Planetenweg, bestehend aus Buntsandsteinfindlingen mit jeweils angebrachter Bronzegusstafel, auf der wichtige Daten des betreffenden Planeten vermerkt sind. Die Sonne wird mit einer goldenen Kugel dargestellt. Über eine gewisse Trittsicherheit sollten die Bezwinger des 2,5 km langen Churfrankensteigs verfügen, denn schließlich geht es über eine hohe Treppe hinauf in die Steilhänge der Weinberge. Von dort oben ist ein traumhafter Blick hinab ins Maintal garantiert. Besonders gefährliche Pfade sind mit Seilen gesichert.

Kommentar hinterlassen