Kolumne

Eindrucksvolle Tropfsteinformationen in der Binghöhle

Von: Eranie Funderburk

Als Ignaz Bing, Mitbegründer der Firma Bing und Träger des Titels Geheimer Kommerzienrat, im Jahre 1905 eine Höhle in Streitberg entdeckte, da ahnte er sicherlich nicht, dass er eine der schönsten Tropfsteinhöhlen Deutschlands gefunden hatte. Die nach ihm benannte Binghöhle misst eine Länge von 300 Metern. Jeder Besucher kann die komplette Höhle durchlaufen und entdeckt dabei eindrucksvolle Tropfsteinformationen.

Prinz-Ludwig-Grotte und die Drei Zinnen – Foto: Michael Diefenbach

Die Bauzeit dauerte nur wenige Monate, bis die Binghöhle auf einer Länge von etwa 230 Metern begehbar gemacht wurde. Im Eingangsbereich und in der Vorhöhle fand man viele archäologische Schätze, zum Beispiel Tierknochen und Spuren von Menschen. Sogar kleine Höhlenbären hatten sich hier einst einquartiert. Nach ihrer Entdeckung wurde die Binghöhle im Jahre 1906 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 1907 verlegte man elektrische Leitungen und seitdem wird die einzige Schauhöhle der Fränkischen Schweiz mit elektrischem Licht versorgt. 1936 wurde ein weiterer Höhlenabschnitt entdeckt. Am 13. April 1938 wurde der fertig gebaute künstliche Ausgang eingeweiht. 2004/2005 wurden die Beleuchtung, die Wege und einige Räume saniert, bzw. neu gebaut. Um die empfindlichen Tropfsteine zu schützen, stellte man Zäune um sie herum auf.

Der Kerzensaal – Foto: Michael Diefenbach

Die Höhle selbst entstand vor ca. 155 bis 140 Millionen Jahren. Der sogenannte Malm Beta besteht aus 15 bis 30 Metern mächtigen hellen Werkkalken, die sich in der Zeit des Weißen Juras aufeinander türmten. Der geschichtete Kalkstein wurde durch das Wasser der Wiesent ausgespült und so entstand eine Flusshöhle, die eine Länge von ca. 270 Metern misst und heute trocken liegt.

Innerhalb der Binghöhle findet man eine große Anzahl an Tropfsteinen. Die Stalagmiten und Stalaktiten besitzen eine weiße oder bräunliche Färbung. Die Tropfsteingalerie misst eine Länge von ca. 40 Metern. Innerhalb der Tropfsteingalerie befinden sich gelblich gefärbte Stalagmiten und der Altar. Am Altar kann man eine Spalte sehen, die bis zur Decke reicht. Hier sieht man den sogenannten Urknall. In der Kellermannsgrotte trifft man zunächst auf Stalagmiten mit einer Höhe von bis zu 1,2 Metern. Der höchste Stalagmit in diesem Raum ist die Riesensäule, die sich mitten auf dem Höhlenweg befindet. Die Riesensäule hat eine Höhe von ca. 2,5 Metern, besitzt eine abgestufte, kegelförmige Form.

Die Riesensäule – Foto: Michael Diefenbach

Der Weg führt dann weiter an den Zyklopenmauern vorbei zum Kerzensaal. Im Kerzensaal findet man Stalagmiten, die Kerzen zum verwechseln ähnlich sehen. Sie sind weiß, dünn und lang. Die höchsten Kerzenstalagmiten ragen in eine Höhe von etwa 2,5 Metern. Nach dem Kerzensaal gelangt man zur Venusgrotte. Hier kann man die Muschelfelsen und die Diamant-Felsen besichtigen. Weiter geht es dann durch die Olgagrotte und die Nixengrotte. Der Höhlengang führt anschließend weiter zur Fantasiegrotte. In diesem Raum befindet sich die sogenannte Harfe. Es handelt sich hierbei um einen Sintervorhang, der ca. zwei Meter hoch und 70 Zentimeter breit ist. In der Prinz-Ludwig-Grotte kann man die Überreste eines ehemaligen Höhlensees bewundern. Hier entstanden Kalzit- und Aragonitkristalle. Der ehemalige Boden des Sees ist nun mit einem wundervollen Teppich voller Kalzitformationen bedeckt. An manchen Stellen ist der Boden noch mit Wasser bedeckt. Darin leben die Bathynella-Krebse. Diese Urzeitkrebse wurden 2005 wiederentdeckt. Die Drei Zinnen sind eine Tropfsteinformation, die aus drei zusammen gewachsenen Stalagmiten besteht. Direkt darüber ragen drei Stalaktiten herab. In der Nähe der Kristall-Grotte hat man neue Räume entdeckt. Von hier aus geht es dann weiter zum Ausgang.

Eine Führung durch die Binghöhle dauert zwischen 30 und 40 Minuten. Über 7.000 Menschen besuchten die Binghöhle im Jahr 1906. 2010 waren es ca. 32.000 Besucher. Vom 01. April bis 01. November finden täglich Führungen zwischen 9.00 und 17.00 Uhr statt. Für Kinder werden spezielle Sonderführungen (Märchen- und Abenteuerführungen) veranstaltet.

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