Kolumne

Dr. Josef Völk – ein Liberaler in Bayern?!

Von: Sebastian Herbst

Uns Bayern wird ja gerne einmal vorgeworfen, wir seien urkonservativ und weltfremd. Man kann diese Einstellung – wenn man sich mal in einen Fremden hineinversetzt – einigermaßen nachvollziehen, war unser Parlament doch jahrzehntelang dominiert durch die christlich-soziale Partei. Wenn man nun unterstellt, dass Bayern erst durch die letzten Landtagswahlen einen Ruck in Richtung Modernität bekommen hat, so muss ich gleich gegenargumentieren: Andere Strömungen, wie zum Beispiel den Liberalismus, gab es auch schon vor langer Zeit in Bayern. Ein Vertreter: Der Augsburger Rechtsanwalt Dr. Josef Völk.

Josef Völk

Dieser war aufgrund seiner Geburt am 9.Mai 1819 in einer armen Bauernfamilie alles andere als jemand, den man für einen späteren Rechtsanwalt geschweige denn Politiker gehalten hätte. Dank eines geistlichen Verwandten wurde es Völk jedoch ermöglicht, ein Gymnasium zu besuchen und später in München in den Rechtswissenschaften zu promovieren.

Diesen intellektuellen Vorteil machte er sich jedoch oft genug wieder dadurch kaputt, dass er offen für seine politischen Ideale eintrat und zum Beispiel öffentliche Reden hielt, in denen er für die in Bayern so verhasste Paulskirchenverfassung argumentierte. Eine Anstellung als Rechtsanwalt zu finden viel ihm deshalb oft schwer genug, weshalb es ihm nur gelegen kam, dass er zunächst in den Bayerischen Landtag und später sogar ein den Reichstag gewählt wurde.

Doch auch im politischen Leben hatte Völk aufgrund seiner Ideen zu kämpfen, zum Beispiel der Wunsch nach dem Einführen einer Zivilehe und Loslösung von den ausschließlich geistlich geschlossenen Heiraten.

1878 kam es schließlich sogar zu internen Konflikten in der Nationalliberalen Partei, sodass Völk mit einigen Parteifreuden austrat, um sich neu zu organisieren. Die Bemühungen waren jedoch vergebens, Völk schaffte den Einstieg nicht mehr. Was ihm aber andererseits sicher noch einige ruhige Momente verschaffte, bis er am 22. Januar 1882 schließlich in Augsburg starb.

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