Kolumne

Die neuen Hitzeregeln der Australian Open

Überall auf der Welt lieben die Menschen jede Art von sportlichen Ereignissen. Aus diesem Grund erfreuen sich die internationalen sportlichen Events natürlich einer extrem großen Beliebtheit. Doch je nach Austragungsort finden die Spitzensportler auch vollkommen unterschiedliche Bedingungen vor. Zu den wohl härtesten Bedingungen im Bereich des Sports, zählen die klimatischen Bedingungen, auf die Sportler bei den Australian Open antreffen.

Australien open | © PantherMedia /lusia83

Temperaturen von über 40 Grad sind hier auf dem Center Court keine Seltenheit. Bei diesen Temperaturen wird der Bevölkerung in der Regel empfohlen, sich möglichst in klimatisierten Räumen aufzuhalten und körperliche Anstrengungen zu vermeiden. Diese gilt natürlich nicht für die Tennisprofis, die hier bei den Australian Open antreten. Im Gegenteil, von ihnen werden absolute Spitzenleistungen erwartet.

Da diese Bedingungen teilweise einfach unzumutbar sind, haben sich viele namhafte Sportler beschwert. Als Resultat dieser Beschwerden, wurden dann endlich entsprechende Schutzmaßnahmen eingeführt. Hierbei handelt es sich um die Heat-Stress-Scale.

Die Schutzmaßnahmen

Um die Sportler besser zu schützen und körperliche Überbelastungen zu vermeiden, wurde die sogenannte Hitzebelastungsskala, die Heat-Stress-Scale, eingeführt.
Diese Hitzebelastungsskala legt verschiedene Faktoren zu Grunde, anhand derer gemessen wird, ob ein Spiel stattfindet, ob es unterbrochen wird, oder ob an bestimmten Stellen Pausen vorgeschrieben werden. Hier spielt nicht nur die Außentemperatur eine entscheidende Rolle, sondern ebenso die Luftfeuchtigkeit und die Windgeschwindigkeit.

Einer der entscheidenden Faktoren ist die Luftfeuchtigkeit, von ihr hängt letztlich das Wohlbefinden des Sportlers ab. Je mehr Feuchtigkeit sich in der Luft befindet, desto weniger ist der Körper in der Lage, die eigene Wärme durch Verdunstung, abzugeben. Gleichzeitig hat aber der Wind viel Einfluss auf die Verdunstungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers.

Insgesamt gibt es 5 unterschiedliche Level. Jedes einzelne Level berücksichtigt jeweils die vorherrschenden Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Wind und Luftfeuchtigkeit. Das bedeutet, dass in jedem einzelnen Level die unterschiedlichen Bedingungen miteinander Wechselwirkungen eingehen und das jeweils nächste Level auslösen.

Das sind die Aussagen der einzelnen Level

Im ersten Level droht keinerlei Beeinträchtigung für den Sportler oder den Zuschauer, die Bedingungen für das Tennis Match sind optimal.
Das zweite Level zeigt auf, dass die Bedingungen leicht erschwert sind. Hier werden unterschiedliche Empfehlungen ausgesprochen. Dazu zählt das Tragen von Kopfbedeckungen und eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme. Für alle gilt zudem, dass die Pausen möglichst im Schatten verbracht werden sollen.

Level drei umfasst zunächst im vollem Umfang die Empfehlungen von Level zwei, da diese ja konsequent aufeinander aufbauen. Hier kommt allerdings eine weitere Maßnahme für die Tennisprofis hinzu. Ab diesem Level muss der Körper zusätzlich gekühlt werden. In der Regel werden hierfür Kühlumschläge und Kühlwesten eingesetzt.

Ist das Level vier erreicht, so gelten nun wieder die Maßnahmen aus Level zwei und drei. Hinzu kommen aber noch jeweils 10 minütige Pausen, die automatisch angeordnet werden. Für die Damen und Jugend sind diese Pausen bereits nach dem zweiten zu absolvieren, die Herren machen die Pause erst nach dem dritten Satz.

Level fünf entscheidet darüber ob ein Spiel unterbrochen werden muss. Findet es auf einem Außenplatz statt, heißt es nun Unterbrechung. Bei Spielen, die auf Plätzen stattfinden, wo es die Möglichkeit gibt, ein Dach zu schließen, kann oftmals weitergespielt werden. Letztlich entscheidet in diesem Fall aber ein Schiedsrichter.

Warum diese Heat-Stress-Scale so wichtig ist

Tennisball | © PantherMedia /lusia83

Anders als bei normalen Temperaturen, ändert sich bei extremer Hitze die Blutverteilung im Körper. Damit der Körper in der Lage ist, viel Schweiß zur Kühlung des Körpers abzusondern, wird ein erhöhter Anteil des Blutvolumens unter die Haut verlegt. Dieser Mechanismus gewährleistet, dass der Körper dank des abgesonderten Schweißes nun für die erforderliche Verdunstungskälte sorgen kann. Auf diese Weise findet eine Kühlung der Haut, ebenso wie des Blutes statt. Die Körpertemperatur kann also im optimalen Bereich von 37 Grad konstant aufrechterhalten werden.

Allerdings steht der gesamten Muskulatur auf Grund der Verlagerung des Blutvolumens nun deutlich weniger Blut zur Verfügung. Körperliche Belastungen führen zudem dazu, dass sich das Blutvolumen noch weiter verringert. Das belastet in hohem Maße die Herzfunktion, da das Herz nun zur Versorgung der lebenswichtigen Organe deutlich schneller pumpen muss. In der Folge erhöht sich die Pulsfrequenz entsprechend.

Mehr Schweiß zur optimalen Kühlung ist aber auch gleichbedeutend mit einem hohen Verlust an extrem wichtigen Mineralien. Dazu zählen unter anderem Natrium, Kalium oder Magnesium. Aus diesem Grund ist eine entsprechende Flüssigkeitsaufnahme zum Ausgleich nicht mehr ausreichend. Nun benötigt der Körper darüber hinaus eine Versorgung mit den verloren gegangenen Mineralien.

Sollte der Körper mit zu wenig Flüssigkeit versorgt werden, kann das schlimme Folgen haben. Eine dieser Folgen wäre zum Beispiel das Dehydrieren. Der Volumenmangel führt mitunter zu einem zu niedrigen Blutdruck, der wiederum eine Ohnmacht zur Folge haben kann.

Der Schutz für die Sportler war längst überfällig

Namhafte Tennisspieler haben sich also wirklich aus gutem Grund beschwert, denn Ohnmachtsanfälle in Australien waren keine Seltenheit unter den vorherrschenden Bedingungen. Dank der eingeführten „Heat Stress Scale“ bei den Australien Open, wird Tennisspieler nun entsprechend geschützt.

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