Kolumne

Die Geschichte von der Krippenlegung in Niederalteich

Von: Tanja Ranzinger

Gerne möchte ich Sie mitnehmen, ins tief verschneite Niederbayern, in das Kloster Niederalteich, welches sich gar nicht weit von Deggendorf, nahe Hengersberg befindet. Während dieser kleinen Reise möchte ich Ihnen von einem Brauch erzählen, der längst als solcher vergessen wurde, und Gott sei Dank im Jahre 1927 wieder entdeckt wurde.

Die Krippenlegung hat in Niederalteich eine lange Tradition – Foto: © Ruth Rudolph / PIXELIO

Vor langer Zeit, genauer in den zwanziger Jahren, wurde der später in Niederbayern sehr bekannte Max Peinkofer, in Niederalteich zum Schulleiter ernannt. Zeitgleich wurden auch Mönche der Innsbrucker Benediktiner ins Kloster Niederalteich gesandt. Die Mönche aus dem Kripperlland Tirol, wie sie liebevoll genannt wurden, haben sich mit Max Peinkofer angefreundet. Wohl auch deshalb, weil sie sehr viel Verständnis für seine Vorstellungen und den daraus folgendem Plan gehabt hatten.

Januar 1927

Das Jesukind in der Krippe – Foto: © Thomas Max Müller / PIXELIO

Peinkofer las im Altöttinger Liebfrauenboten von einem Aldersbacher Pfarrer, welcher in seiner Klosterkirche am Heiligen Abend in die Christmette eine kleine Szene eingebaut hatte. Dazu hatte dieser vor dem Altar eine kleine Krippe aufgestellt, voll Stroh geschüttet und dann kamen Maria und Joseph, um das Christkind in die Krippe zu legen. Dieser Bericht hatte Peinkofer dazu gebracht, dass er sich weiter informierte, wo denn diese Idee entstand, das Christkind feierlich in die Krippe zu legen.

Der Ursprung liegt sehr weit zurück. Überlieferungen nach, soll der heilige Franziskus bereits im Jahr 1223 die Krippenlegung des göttlichen Kindes, feierlich begangen haben. Peinkofer gefiel diese Idee so gut, dass er sich überlegte, diesen Brauch nach langer Zeit in Niederalteich einzuführen.

Da allerdings die Säkularisierung auch vor Niederalteich nicht halt gemacht hatte, galt eben zur Zeit Peinkofers dieser Brauch sozusagen als ausgestorben. Peinkofer allerdings hielt an seinem Plan fest. An einem Adventsabend im Jahr 1927 lud er den Abt, den Prior und Patres zum Kaffee ein. Als sie zusammen im Arbeitszimmer saßen, welches früher die Zelle eines Mönches (Hl. Gunther) war, erzählte er ihnen von der Krippenlegung in Aldersbach, dem längst vergessenen Brauch und von seinem Plan, diesen im Kloster Niederalteich wieder aufleben zu lassen.

Es versteht sich von selbst, dass er alle begeistern konnte, was dazu führte, dass man sich sehr schnell einig war. Noch am gleichen Abend legte man die Einzelheiten dieser Feierlichkeit fest.

Neuigkeiten verbreiten sich in Niederbayern schnell

Meist geht die Krippenlegung mit einem Krippenspiel einher – Foto: © Werner Neunherz / PIXELIO

Das Vorhaben Peinkofers, hat sich natürlich in Niederalteich und Umgebung schnell herumgesprochen. Als dann endlich die Christnacht im Jahr 1927 anbricht, kommen Scharren von Gläubigen, teils von sehr weit her. Angereist waren sie zu Fuß, mit Pferd und Schlitten, durch Eis und Schnee. Wer weiß, wo Niederalteich liegt, weiß auch, wie abgelegen das Kloster ist, demzufolge, welche Anstrengungen viele zur damaligen Zeit auf sich genommen haben. Alle wollten dabei sein, bei der ersten Krippenlegung in Niederalteich.

Der Grundstein für ein großes Fest war gelegt, welches dann über die Jahre zur Tradition wurde. Bis heute wird am Heiligen Abend die Krippenlegung zelebriert. Immer nach dem gleichen Muster, welches damals in einem kleinen Arbeitszimmer festgelegt wurde. Vielleicht erinnern Sie sich an diese kleine Reise, in ein kleines niederbayerisches Dorf, wenn sie in der Christnacht zusammen mit vielen anderen die Krippenlegung feiern.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein gesegnetes Weihnachtsfest.

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