Kolumne

Die Fürstäbtliche Residenz Kempten – vom Fürststift zum Behördenbau

Von: Sebastian Herbst

Das Fürststift Kempten, vereinzelt auch noch „Fürstäbtliche Residenz Kempten“ genannt, kann auf eine lange und in jedem Fall wissenswerte Geschichte zurückblicken. Bereits im Jahr 752 als Kloster gegründet, wurde es unter Kaiser Heinrich IV. im 11. Jahrhundert reichsunmittelbar, es unterstand von nun an also niemandem mehr, außer dem Kaiser. Schnell häufte es mehr Macht an, übte über sein Herrschaftsgebiet bald schon Vogteirechte aus und wurde unter Kaiser Karl IV. zum Fürststift.

Das ehemalige Fürststift in Kempten – Foto: Alofok

Da ist es wenig verwunderlich, dass sich zwischen dem Stift und der reichsfreien Stadt Kempten enorme Konflikte bildeten, insbesondere als sich diese zur Zeit der Reformation freikaufte und zum Protestantismus übertrat. Diese Konflikte waren zwar spannungsgeladen, arteten aber keinesfalls so aus wie die Ereignisse im Dreißigjährigen Krieg rund 100 Jahre später, als das gesamte Stift von schwedischen Truppen niedergebrannt wurde.

Wie Phönix aus der Asche stand es jedoch schon bald wieder auf, als 1652 die Wiederaufbauten begannen, die rund 20 Jahre später abgeschlossen waren und als Ergebnis eine monumentale Klosteranlage im Stile des Barock vorweisen konnten. Erst 1742 erfolgte die Neuausstattung der fürstäbtlichen Wohnräume, 1780 wurde die Orangerie fertiggestellt. Schade drum, 23 Jahre später, im Jahr 1803 ,wurde das Fürststift im Rahmen der Säkularisation aufgelöst.

Bei der Verweltlichung blieb es – bis auf die Stiftskirche, die heute der Pfarrei St. Lorenz als Pfarrkirche dient, werden die Räume überwiegend von Behörden wie der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht genutzt. Die Prunkräume sind aber nach wie vor erhalten und zu besichtigen – und auf jeden Fall einen Besuch wert!

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