Kolumne

Die Fränkische Saaletalbahn

Von: Tilman Weigel

Sissi (Elisabeth von Österreich) soll die Spaziergänge auf dem Altenberg geliebt haben und war regelmäßig zu Gast. Auch Zar Alexander II., König Ludwig II. und bürgerliche Häupter wie Alfred Nobel und Gioacchino Rossini erholten sich im Bayerischen Staatsbad Bad Kissingen. Und immer wieder Reichskanzler Otto von Bismarck, der in Bad Kissingen beinahe einem Attentat zum Opfer fiel.

Der heutige Streckenverlauf der Saaletalbahn – Grafik: Christian JackwertC

Der Weg dorthin aber war beschwerlich. Immerhin konnte man schon ab 1854 mit der Ludwigs-Westbahn von Schweinfurt bis Bamberg und weiter nach Nürnberg, Augsburg und München reisen. Aber von dort aus mussten die Gäste, ob berühmt oder unbekannt, mit dem Pferd den weiteren Weg auf sich nehmen.

Schon früh gab es Pläne für eine Eisenbahnstrecke vom Bahnhof Gemünden durchs Saaletal nach Bad Kissingen und von dort ins thüringische Meiningen. Doch daraus wurde nichts und so wurde am 9. Oktober 1871 lediglich eine kurze Stichbahn von Schweinfurt ins königliche Staatsbad in Betrieb genommen.

Der Anschluss an Gemünden und damit auch eine schnellere Anreise für die als Gäste immer wichtiger werdenden Unternehmer und Bankiers aus Frankfurt und dem Ruhrgebiet lies aber auf sich warten. Zwar wurde schon 1884 eine zweite Stichstrecke von Gemünden bis Hammelburg eröffnet, doch auf den nicht einmal 20 Kilometern dazwischen klaffte eine Lücke. Erst der Nachfolger der Bayerischen Staatseisenbahn, die deutsche Reichsbahn, vollendete die Fränkische Saaletalbahn im Jahr 1924.

Das Unterfranken-Shuttle auf der Saaletalbahn – Foto: Christian JackwertC

Bis heute steht in Bad Kissingen – wie sonst vor allem in Großstädten wie München, Frankfurt und Hamburg-Altona – ein Kopfbahnhof. Also ein Bahnhof, in den man nur aus einer Richtung einfahren kann. Zur Weiterfahrt nach Schweinfurt muss der Zug wieder ein Stück zurückfahren, um dann nach Osten abzubiegen. Hier endet auch die eigentliche Saaletalbahn, denn die Strecke verlässt nun die Saale.

In den autoverliebten 1960er Jahren wurde der Verkehr auf der nicht elektrifizierten Nebenstrecke deutlich eingeschränkt, aber nie ganz eingestellt. Geholfen hat möglicherweise die Bundeswehr, die in Hammelburg einen großen Übungsplatz betreibt.

Im Jahr 2005 wurde mit Hammelburg-Ost sogar erstmals wieder ein neuer Bahnhof eröffnet. Vorausgegangen war eine Übernahme der Strecke durch die Erfurter Bahn. Bis heute ist die Saaletalbahn eine der wenigen Strecken in Bayern, die nicht von von der Deutschen Bahn AG bedient wird.

Im Qualitätsranking der Bayerischen Eisenbahngesellschaft belegt der sogenannte Kissinger Stern, zu dem neben der Saaletalbahn auch der Streckenabschnitt von Bad Kissingen nach Schweinfurt sowie von Schweinfurt in Richtung Meiningen gehören, regelmäßig vordere Plätze. Im Jahr 2011 lagen die Strecken wie schon im Vorjahr auf dem zweiten Platz.

Kommentar hinterlassen