Kolumne

Die Burg – das Wahrzeichen Nürnbergs

Von: Holger Schossig

foto-holger-25Hoch über der Stadt Nürnberg trohnt seit 1.000 Jahren die Burg, das Wahrzeichen der Noris. Wie alt die Burg wirklich ist, das kann nicht mehr so genau bestimmt werden, ebensowenig, wie das genaue Alter der Stadt Nürnberg selbst. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Nürnberg im Jahr 1050, weswegen man dieses Jahr auch als Gründungsjahr festgelegt hat. Tatsächlich scheinen sowohl Nürnberg, wie auch die Burg noch älter zu sein. Ausgrabungen zufolge hat man im Burghof Spuren aus Zeiten vor dem Jahr 1000 gefunden.

Die Nürnberger Burg - Foto: © Marion / PIXELIO

Die Nürnberger Burg – Foto: © Marion / PIXELIO

Wer von der Nürnberger Burg spricht, der spricht auch oft von der Kaiserburg. Das ist jedoch nur bedingt richtig, denn eigentlich besteht die Burg aus drei Teilen. Zum einen ist das die Burggrafenburg, von der heute nur noch der Fünfeckturm steht, dann die Kaiserstallung mit dem Turm Luginsland und die Kaiserburg, zu der der Sinwellturm, der Tiefe Brunnen, der Palas, die Kemenate und die Doppelkapelle gehören. Da Anziehungsmagnet und markantester Teil der Burganlage aber der Sinwellturm ist, wird die Nürnberger Burg eben auch als Kaiserburg betitelt.

Der Sinwellturm überragt alles. Er ist augenscheinlich gar nicht so hoch, da die gesamte Burganlage aber auf einem Sandsteinberg erbaut wurde, ist die Aussichtsplattform des Turms in einer Höhe von 385 Metern. Von dort hat man einen herrlichen Blick über ganz Nürnberg. Er war seitdem der Bergfried, auf dem ein Turmwächter über die Stadt Wache hielt und bei Gefahr Alarm schlagen konnte, zum Beispiel bei einem Brand. Der Sinwellturm wurde erst im 13. Jahrhundert erbaut.  Der seltsame Name “sinwell” kommt aus dem Mittelhochdeutschen und heißt schlicht und einfach “rund”.

Der Heidenturm mit Kemenate, rechts der Tiefe Brunnen - Foto: © Marco Barnebeck / PIXELIO

Der Heidenturm mit Kemenate, rechts der Tiefe Brunnen – Foto: © Marco Barnebeck / PIXELIO

Direkt neben dem Sinwellturm ist der Tiefe Brunnen zu finden, der 47 Meter in die Tiefe führt und als Wasservorrat in Belagerungszeiten diente. Auch wenn die erste Erwähnung des Tiefen Brunnens aus dem 14. Jahrhundert stammt, ist er vermutlich so alt, wie die Burg selbst. Noch heute führt er Wasser.

Eine der ältesten, noch vorhandenen Bauten der Burganlage ist die Kaiserkapelle oder auch Doppelkapelle genannt. Doppel deshalb, weil hier zwei übereinanderliegende Kapellen in einem Gebäude gebaut wurden. Während sich unten eine Kapelle für Begräbnisse befand, wurde die obere für kirchliche Feiern genutzt. Heute kann man in der Doppelkapelle ein Kruzifix von Veit Stoß, einem der bedeutendsten Bildhauer der Spätgotik finden.

Neben der Kaiserkapelle ist der Palas zu finden, der repräsentative Saalbau der Kaiserpfalz. Hier gibt es den Rittersaal und den Kaisersaal zu besichtigen. Im Rittersaal wurde u.a. das kaiserliche Hofgericht abgehalten, der Kaisersaal diente als Speisesaal für Festessen von Würdenträgern.

Im Innenhof der Burg ist die Kunigundenlinde zu finden, die von der Kaiserin Kunigunde, der Gemahlin Kaiser Heinrichs II. gepflanzt wurde. Dieser Baum ist natürlich nicht mehr das Original, sondern wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder ersetzt, zuletzt in den 80er Jahren.

Blick von der Nürnberger Burg - links St. Lorenz, rechts St. Sebald - Foto: Holger Schossig

Blick von der Nürnberger Burg – links St. Lorenz, rechts St. Sebald – Foto: Holger Schossig

Hinter der Burg erstreckt sich der Burggarten, der seit dem 15. Jahrhundert besteht. Die Kemenate beherbergt heute das Kaiserburg-Museum mit Waffen, Rüstungen und vielen Ausstellungsstücken zur Wehrgeschichte der Burg.  In der Kaiserstallung ist heute eine Jugendherberge untergebracht. Umgeben wird die Nord- und Ostseite der Burg vom Burggraben, der im Übrigen auch die gesamte Innenstadt umgibt, allerdings nicht mehr im kompletten Ausmaß.

Die Nürnberger Burg war seit jeher eine der bedeutendsten Burganlagen im Heiligen Römischen Reich. Von 1050 bis ins Jahr 1571 war dort jeder deutsche Kaiser und König zugegen und hielt die Reichs- und Gerichtstage ab. Im 2. Weltkrieg wurde die Burg arg in Mitleidenschaft gezogen, konnte jedoch wieder aufgebaut werden. Will man sich die Nürnberger Burg in allen Einzelheiten ansehen, dann sollte man dafür mehrere Stunden einplanen.

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