Kolumne

Die Bier- und Hopfenstadt Spalt

Von: Tilman Weigel

Ein Artikel über Spalt ohne das Thema Bier, das wäre wie ein Bericht über Rothenburg ohne das Thema Altstadt, über Oberstdorf ohne Berge oder über München ohne Oktoberfest, auch wenn der Erste Bürgermeister in Spalt ausgerechnet Weingart heißt. Denn rund um Spalt liegt das Spalter Hopfenland, das viertgrößte Anbaugebiet von echtem Hopfen in Deutschland und das zweitgrößte in Bayern.

Im Kornhaus ist das Hopfen- und Biermuseum zu finden – Foto: Hubert Berberich, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Ein Gang durch die Altstadt erzählt von dieser Tradition. Viele der zahlreichen Fachwerkhäuser haben fünf oder sechs Dachgeschosse. Darin wurde die Ernte getrocknet und gelagert, bevor sie weiterverkauft wurde. Mehr zum Thema Hopfenanbau können Besucher im Hopfen- und Biermuseum im ehemaligen Kornhaus erfahren. Hier wurde früher der Zehnt gelagert, den die Bürger dem Bischof von Eichstätt zahlen mussten.

Eine weitere Bier-Besonderheit gibt es in Spalt, nämlich die letzte Brauerei in städtischem Besitz in Bayern. Anders als andere Biere, die den Namen Stadtbrauerei tragen, aber längst von Braukonzernen übernommen wurden, ist die Stadtbrauerei Spalt nach wie vor ein städtisches Unternehmen wie anderswo die Stadtwerke oder das Krankenhaus. Wie es sich für eine Hopfenstadt gehört, ist das Bier entsprechend stark gehopft und schmeckt eher wie ein norddeutsches Pils als wie das sonst in Franken und Altbaiern üblichen süffige Helle.

Typisch für Spalt sind die vielen Stockwerke, die den Fachwerkhäusern aufgesetzt wurden.

Ende August wird in Spalt das Hopfenzupferfest gefeiert, der “Spalter Saumarkt” findet statt und die Hopfenkönigin wird gekrönt. Wem das zu viel Trubel ist, kann das Thema Bier auch vor den Stadtmauern erkunden. Dort erstrecken sich mitunter noch die alten Hopfen- und Obstgärten. Auch einen Planetenweg haben die Tourismusplaner anlegen lassen, in dem im Maßstab ein zu einer Milliarde die Sonne und die Planeten unseres Sonnensystems dargestellt wurden. Denn seitdem Spalt mit der Eröffnung der Fränkischen Seenplatte ein Naherholungsgebiet direkt vor der Haustür bekommen hat, setzen die Stadtväter verstärkt auf die Sommerfrischler.

Eher alemanisch als fränkisch dürfte eine andere Tradition sein, die nur indirekt mit Bier zu tun hat. Denn am unsinnigen Donnerstag und am Faschingsdienstag treiben in Spalt die Flecklasmänner ihr Unwesen. Die Kinder rufen ihnen einen Spottvers hinterher, der aufgrund der vielen Kraftausdrücke hier leider nicht wiedergegeben werden kann.

Kommentar hinterlassen