Kolumne

Der Zoigl – ein Bier mit Tradition aus der Oberpfalz

Von: Anja Bergler

foto-anja-23Windischeschenbach, 24.02.2010 – Bayern ist für seine Bierbrautradition ja weltweit bekannt. Gerade in der Fastenzeit ist besonders das Starkbier ein sehr großes Thema. In der nördlichen Oberpfalz gibt es eine weitere Spezialität der Bierbrauer – den Zoigl.

Der Zoigl, auch „Zeigel“ genannt, ist ein untergäriges und ungefiltertes Bier. Es wird nach den Standards des “Bayerischen Reinheitsgebots” gebraut und besteht nur aus Wasser, Malz und qualitativ sehr hochwertigem Hopfen aus der Hallertau.

Wohl bekommts! Auch die Oberpfälzer wissen, was Bierkultur bedeutet - Foto: © KFM / PIXELIO

Wohl bekommts! Auch die Oberpfälzer wissen, was Bierkultur bedeutet – Foto: © KFM / PIXELIO

Es wird in einer offenen Sudpfanne die Maische, das ist ein Gemisch aus Gerstenmalz und Wasser, gekocht und anschließend gehopft, bevor es so als Würze ein weiteres Mal stark erhitzt wird. Dieses Grundgebräu wird in einem weiteren Prozess von den Brauern mit Hefe versetzt, bevor es mehrere Wochen reifen muss. Nach 10 bis 12 Tagen allerdings wird das inzwischen gegärte Gebräu noch einmal in dafür vorgesehene Fässer umgefüllt, in denen die anschließende, endgültige Weiterreifung stattfindet. Ausgeschenkt wird der Zoigl dann traditionsgemäß ungefiltert und direkt aus dem Fass. Dazu dürfen selbstverständlich eine deftige hausgemachte Brotzeit und eine zünftige Musik nicht fehlen.

Auch wenn die Grundzutaten stets die gleichen sind, ist jeder Zoigl vom Geschmack her ein bisschen anders, denn jeder Brauer hat hier sein eigenes Rezept, nach dem er die weiteren Zutatenmengen bestimmt. Doch auch bei ein und demselben Brauer kann der Zoigl unterschiedlich schmecken. Der Zoigl ist ein typisches Oberpfälzer Getränk und wird überwiegend von Privatpersonen gebraut. Das hierfür benötigte Braurecht befindet sich im Allgemeinen bereits seit Generationen auf den entsprechenden Anwesen und Häusern, das auch vererbt und weiterveräußert werden kann. So durften nur Besitzer dieser Häuser auch brauen.

Waren es vor einigen Jahrzehnten noch insgesamt 75 Kommunen, die der Tradition des Zoigl-Brauens nachgingen, sind mittlerweile nur noch 5 Orte mit dem Brauen im Kommunbrauhaus vertraut. Dies wären die Gemeinden der Landkreise Tirschenreuth und Neustadt an der Waldnaab mit Mitterteich, Falkenberg, Neuhaus, Windischeschenbach und Eslarn, dessen Brauer sich in einer „Gemeinschaft der brauenden Brüder“ zusammengefunden haben. Finanziert wird dies durch eine Art Mitgliedsbeitrag, dem sogenannten „Kesselgeld“. Der Ausschank findet nur in unregelmäßigen Abständen in den jeweiligen Zoiglstuben statt und erfreut sich bei der Bevölkerung und den Touristen sehr großer Beliebtheit.

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