Kolumne

Der sagenumwobene Odenwald

Von: Karola Schmitt

Bezüglich der Namensgebung gibt es gleich mehrere Spekulationen. Eine vertritt die These, der Odenwald sei nach dem germanischen Gott Odin benannt. Eine andere Mutmaßung leitet Ode aufgrund der dünnen Besiedelung von Öde ab. Die Annahme, Ode stehe für Sage, resultierend aus den zahlreichen Mythen, die dem Odenwald zugeschrieben werden, klingt gleichfalls einleuchtend. Es existieren tatsächlich viele mysteriöse Geschichten aus längst vergangener Zeit, wie die Überlieferung vom Rodensteiner und dem wilden Heer, die besagt, dass die Reiter, immer wenn ein Krieg naht, mit lautem Getöse durchs Land ziehen. Es heißt, im Jahre 1939 wurden sie letztmalig vernommen. Der Nibelungensage nach, soll Siegfried im Odenwald getötet worden sein. Er trank gerade aus einer Quelle, als Hagens Speer ihn an seiner verwundbaren Stelle traf. Der genaue Ort des Geschehens blieb der Nachwelt verborgen. Gleich mehrere Gemeinden erheben heute den Anspruch, im Besitz des geheimnisvollen Siegfriedbrunnens zu sein.

Die Lage

Dichte Wälder sind im Odenwald ebenso zu finden… – Foto: Diana

Der Odenwald ersteckt sich über drei Bundesländer. Der hessische Anteil schließt im Westen Weinheim, Heppenheim, Darmstadt und im Norden Groß-Umstadt ein. Der Süden zählt zu Baden-Württemberg und dehnt sich bis Heidelberg und Mosbach aus. Das Gebiet, das zu Bayern gehört, reicht bis zum Main. Es handelt sich um den Landkreis Miltenberg mit den Städten Amorbach, Miltenberg und Obernburg und den angrenzenden Gemeinden sowie um eine Randzone des Landkreises Aschaffenburg.

Natur und Landschaft

…wie großflächige Wiesen und Weiden – Foto: Jörg Braukmann Milseburg

Der gesamte Odenwald umfasst eine Fläche von 2.500 Quadratkilometern. Die höchste Erhebung ist mit 626 Metern der Katzenbuckel. Zu ihm gesellen sich noch zahlreiche weitere Anhöhen. Die Mümling entspringt im hessichen Beerfelden und passiert vor ihrer Münding in den Main den bayerischen Odenwald. Der Waldanteil beträgt im gesamten Odenwald im Durchschnitt 54 %, deutschlandweit liegt er zum Vergleich bei 31 %. Buchen, Fichten, Kiefern, Eichen, Douglasien und Lärchen bieten einer einträglichen Forstwirtschaft die nötige Grundlage. Zum Landschaftsbild gehören außer dem Wald noch die Agrarflächen sowie blühende Wiesen und Weiden. Typisch für diese Region sind Streuobstwiesen, vorwiegend bepflanzt mit Apfelbäumen.

Verlassene Buntsandsteinbrüche laden zum Klettern ein – Foto: Luidger

Über die Grenzen hinaus bekannt ist der rötliche Odenwälder Buntsandstein, aus dem früher hauptsächlich Kirchen, Klöster und Burgen sowie Rathäuser und Schulen errichtet wurden. Etliche Abbaugebiete befanden sich im südlichen Hessen gelegenen Odenwaldkreis (Kreisstadt Erbach/Odw.) sowie im angrenzenden Landkreis Miltenberg. Noch heute sind einige Steinbrüche aktiv, die ansässige Steinmetzbetriebe mit Material versorgen. In stillgelegten Anlagen wurden Freizeitgelände erreichtet, unter anderem klettern heute Free-Climber an den Felswänden empor.

Der Odenwald als Erholungsgebiet

Bereits im Jahr 1960 erfolgte die Gründung des Geo-Naturparks Bergstraße-Odenwald. Er erstreckt sich auf insgesamt 3.500 km² schützenswerter Natur zwischen Rhein, Main und Neckar und schließt die an den Odenwand grenzende Rheinebene mit ein. Im Süden überlagert er teilweise den Naturpark Neckartal-Odenwald und im Osten stößt er am Main auf den Naturpark Bayerischer Spessart. Sanfter Tourismus ist eines der Hauptanliegen des Geo-Naturparks. Dazu gehören die gekennzeichneten Rad- und Wanderrouten. Rundwege beginnen und enden an einem Parkplatz mit aufgestellter Schautafel, die über Länge, Höhenunterschiede und Besonderheiten der einzelnen Strecken informiert. Ruhe und Natur pur sind unterwegs garantiert. Manchmal trifft man kilometerweit keine Menschenseele. Dafür erblicken interessierte Augen Waldtiere und so manche selten gewordene Blume, wie das Knabenkraut, das zu den heimischen Orchideenarten zählt.

Die Bewohner sind zu Recht stolz auf ihren „Ourewold“ und wissen die herrliche Landschaft zu schätzen. Besucher finden außer bezaubernden Städten und Dörfern reichlich naturnahe Vegetation mit traumhaften Ausblicken auf den Höhen.

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