Kolumne

Der Olympiapark in München – Natur inspiriert Architektur

Von: Michael Neißendorfer

Was unterscheidet das Olympiastadion in Berlin vom Olympiastadion in München? Beide sind groß, sehr groß, haben ein Fußballfeld und Leichtathletikanlagen. Beide waren und sind Austragungsort wichtiger Wettkämpfe und Fußballspiele. Also? Nun, das Stadion in Berlin ist ein pompöser Rundbau, ähnlich einem Kolosseum. Das Münchner Olympiastadion jedoch ist harmonisch eingebettet ins Gefüge des Olympiaparks, der zum Zeitpunkt seiner Entstehung als 8. Weltwunder gefeiert wurde.

Der Münchener Olympiapark – Foto: Lukáš Hron

1966 bekommt München den Zuschlag für die Olympischen Spiele. Das bedeutet für Deutschland, nicht einmal 30 Jahre nach dem Schrecken der Nazizeit, sich in einem neuen Licht präsentieren zu können. München wird im Sommer 1972 zwei Wochen lang im Mittelpunkt des Weltgeschehens stehen. Bunt sollen die Spiele sein, heiter, weltoffen und demokratisch.

Der Olympiapark links mit dem Olympiaturm – Foto: Gorgo

Die Architektur soll dies widerspiegeln und sich klar von Berlin 1936 absetzen. Statt monumentalen Bauten entsteht ein Park, in den die Sportstätten harmonisch eingebettet werden. Grüne Spiele sollen es werden, Spiele der kurzen Wege. Architekt Günther Behnisch entwickelt ein Gesamtkonzept, das später eines der Wahrzeichen Münchens werden sollte. Für die Parkgestaltung zeigt sich Günther Grimek verantwortlich. Ihm ist daran gelegen, keine Freiräume für Privilegierte zu schaffen, sondern einen Park für alle Schichten der Bevölkerung.

Auf Ruinen geboren

Die berühmte Zeltdachkonstruktion wurde den Alpen nachempfunden – Foto: Radox

Das weiträumige Gebiet um den ehemaligen Flughafen Oberwiesenfeld lag lange Zeit brach und war ideal geeignet, um die Pläne der Architekten optimal umsetzen zu können. Innerhalb von fünf Jahren entstanden die Sportstätten mit ihrer spektakulären und zugleich filigranen Zeltdachkonstruktion, die die Silhouette der Alpen aufgreift. Der Schuttberg aus Weltkriegstrümmern wurde zum begrünten Aussichtshügel. Von dort hat man nicht nur einen herrlichen Blick über die Parkanlage, sondern auch über ganz München.

Leider verlief nicht alles wie geplant. München 72 blieb nicht als heiteres Olympia in Erinnerung, sondern auch als grausames Beispiel für die Instrumentalisierung medialer Aufmerksamkeit. Aber man lies sich nicht unterkriegen: „The games must go on.“ Diesen Satz des damaligen IOC-Präsidenten Avery Brundage hat wohl jeder schon einmal gehört.

Noch immer im Mittelpunkt

Der ehemalige Schuttberg ist zum Naherholungsgebiet geworden – Foto: Sweet Chily

Die Geschichte des Olympiaparks hatte im Sommer 1972 gerade erst begonnen. Die Münchner und Touristen aus aller Welt strömten auch nach den Spielen zu Tausenden in den Park, der fortan einiges mitmachen durfte. Fußball WM und EM, Bundesliga, Konzerte, Shows, Eishockey, Basketball, Radrennen, Feste und Festivals. Der Olympiapark brummt teilweise, als wären die Olympischen Spiele nie zu Ende gegangen.

Das Highlight auf dem Gelände ist, neben der faszinierenden Architektur, der fast 300 Meter hohe Olympiaturm. Höher kommt man im Freistaat kaum. Nur der Nürnberger Fernsehturm ist noch höher, wenn auch nur um einen Meter. Bei schönem Wetter hat man auf dem Olympiaturm das Gefühl, ganz Bayern überblicken zu können. Okay, zumindest Ober- und Niederbayern sowie Schwaben. Franken und die Oberpfalz schaut man sich am besten vom Nürnberger Fernsehturm aus an.

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