Kolumne

Der Obatzte – Eine bayerische Liebesgeschichte

Von: Stefan Lachmann

Die Biergartensaison steht vor der Tür und was liegt da näher als sich dem klassischen bayerischen Brotzeitsschmankerl schlechthin zu widmen. Der Obatzte ist tief im Herzen der bayerischen Biergaltenkultur verwurzelt und mittlerweile weitläufig das Sinnbild der bayerischen Brotzeit.

Der Obatzte ist ein besonders leckeres Schmankerl zur Brotzeit – Foto: Rainer Z.

Obatzter oder auch Obatzda (in Franken auch als „Gerupfter“ bekannt) wird traditionell aus den Zutaten Camembert, Butter, Paprikapulver, Kümmel, Zwiebeln, Salz, Pfeffer und einem Schuss Weißbier kreiert und entstammt einem Rezept der Wirtin des Freisinger Braustüberl „Weihenstephan“ Katharina Eisenreich. Im Jahr 1920 bot diese das erste Mal das lange Zeit als „Arme Leute-Essen“ verpönte Gericht an, das sich über die Jahre zu einem Inbegriff bayerischer Gastlichkeit entwickelte und heute bei einer echten bayerischen Brotzeit nicht mehr wegzudenken ist.

Im Laufe der Zeit entwickelten sich, auch regional bedingt, eine Menge Abwandlungen des klassischen Rezeptes. So variieren die verwendeten Käsesorten von Brie, Camembert bis zu Romadur und Limburger. In Franken gibt es zudem die Eigenheit zum Gerupften gerne mal einen Schuss Wein anstatt Bier zu verwenden. Nur bei den Gewürzen Paprika und Kümmel gibt es keine Abweichungen. Ohne diese Zutaten ist der Obatzte kein Obatzter, sondern nur eine gewöhnliche Käsecreme.

Obatzter ist einfach eine herrlich würzige Speise an einem heißen Tag. Eine “kühle Halbe” noch dazu und der Biergartenabend ist perfekt.

Und als kleiner Ersatz für den Biergartenbesuch das Rezept zum selber machen:

So wird der Obatzte traditionell serviert – Foto: RalfR

250 g reifer Camembert
1 EL Butter
1 gehackte Zwiebel
Salz, Pfeffer, Paprika, Kümmel
2-4 EL Weißbier (nach Geschmack)

Camembert mit einer Gabel zerdrücken und mit der gerührten Butter und der Zwiebel vermischen. Das Ganze sollte dann mit Salz, Pfeffer, viel Paprika (scharf und edelsüß) sowie Kümmel ordentlich gewürzt werden. Zum Abschluss das Bier mit der Masse vermengen und zu einer Creme verrühren. Der Obaztte sollte dann mindestens eine Stunde ruhen.
Besonder schmackhaft wird der Käse, wenn man ihn mit Schnittlauch und Radieschen serviert. Dazu schmeckt sowohl frisches Bauernbrot als auch Brezn und Salzstangerln.

Obatzter sollte noch am gleichen Tag verzehrt werden, da die Zwiebeln sonst einen bitteren Geschmack entwickeln.

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