Kolumne

Der Nürnberger Christkindlesmarkt – hier ist das Christkind zuhause

Von: Holger Schossig

Er ist weltbekannt, es kommen jährlich über zwei Millionen Menschen aus aller Welt in die Weihnachtsstadt und ganz ehrlich – er ist wohl auch der schönste Markt überhaupt. Eröffnet wird der Nürnberger Christkindlesmarkt traditionell am Freitag vor dem ersten Advent und sorgt dann vier Wochen lang, bis zum Heiligen Abend, für weihnachtliche Stimmung.

Mitten in der Nürnberger Innenstadt, zu Füßen der Burg, zwischen Frauenkirche und Schönem Brunnen, erstreckt sich der Christkindlesmarkt über den gesamten Hauptmarkt. Besonders stimmungsvoll wird es natürlich dann, wenn Frau Holle ihre Betten schüttelt, denn dann wird die Stadt aus Holz und Tuch mit einem Zuckerguss überzogen und sieht gleich noch mal so schön aus.

Jahrhunderte alte Tradition

So stimmungsvoll ist der Nürnberger Christkindlesmarkt – Foto: Uli Kowatsch

Wann genau der Nürnberger Christkindlesmarkt entstanden ist, das kann man nicht mehr nachvollziehen, Historiker gehen aber von der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts aus. Genauer eingrenzen lässt sich diese Zeit auf die Jahre 1610 bis 1639. So glaubt man, dass sich der Markt im Laufe der Zeit aus dem schon damals auf dem Hauptmarkt stattfindenden Wochenmarkt bildete. Zur Weihnachtszeit wurden die Stände geschmückt, es kamen schließlich immer mehr dazu und der Markt wurde eigenständig.

Ursprünglich begann der Weihnachtsmarkt am Barbaratag, dem 4. Dezember. Da er sich aber schnell zu einem Besuchermagneten entwickelte, verlegte man den Beginn auf den Freitag vor dem 1. Advent, um die Besuchermassen bewältigen zu können. Neben seinem Stammplatz am Hauptmarkt, war der Nürnberger Christkindlesmarkt aber auch schon an anderer Stelle zu finden. So in den Jahren 1898 bis 1917 auf der Insel Schütt und bis 1932 an der Fleischbrücke.

Strenge Auflagen

Besonders schön ist der Markt, wenn´s geschneit hat – Foto: Uli Kowatsch

Wer den Nürnberger Christkindlesmarkt besucht, der wird sehr schnell merken, dass es sich hierbei um keinen gewöhnlichen Weihnachtsmarkt handelt. Tabu sind hier Fahrgeschäfte ebenso, wie beispielsweise Tannengirlanden aus Plastik oder Weihnachtsmusik vom Band. Die Buden bestehen aus Holz und werden mit rot-weißem Stoff bespannt. Ca. 180 dieser Buden stehen in der Vorweihnachtszeit auf dem Hauptmarkt, aus diesem Grund wird der Markt auch liebevoll “die Stadt aus Holz und Tuch” genannt.

Die Stände sind liebevoll hergerichtet. Neben den kulinarischen Genüssen wie Nürnberger Bratwürste, Lebkuchen und Glühwein, gibt es allerlei Weihnachtsschmuck, Holzspielzeug und die berühmten Zwetschenmännchen, die auf Nürnbergerisch “Zwetschgermo” genannt werden. Spielzeuge aus Fernost, Handys oder andere Dinge, die einfach nicht auf einen Weihnachtsmarkt gehören, sucht man hier vergebens – und das ist auch gut so. Das macht das einzigartige Flair dieses Marktes aus. Vor der Frauenkirche wird eine Bühne aufgebaut, auf der Chöre und Bläser weihnachtliche Musik zum Besten geben.

Eröffnung durch das Christkind

Das Nürnberger Christkind 2009/2010, Jana Heller, eröffnet den Markt – Foto: 2009 Ralf Schedlbauer/Stadt Nürnberg

Seit 1933 wird der Markt traditionell mit dem Prolog des Christkinds von der Frauenkirche eröffnet. Zu Beginn wurde das Christkind noch von Schauspielern dargestellt, seit 1969 kann sich jedes Mädchen zwischen 16 und 19 Jahren für die Rolle bewerben, die alle zwei Jahre ausgeschrieben wird. Eröffnet wird der Markt dann, wie schon angesprochen, am Freitag vor dem 1. Advent. Um 17.30 Uhr tritt das Christkind auf den Balkon der Frauenkirche und eröffnet dem Markt mit dem Prolog von Friedrich Bröger. “Ihr Herr´n und Frau´n, die Ihr einst Kinder wart, Ihr Kleinen am Beginn der Lebensfahrt…”, so erschallt es dann wieder und ein jeder weiß, dass jetzt die herrliche Vorweihnachtszeit beginnt.

Übrigens: Der Markt in Nürnberg heißt weder Nürnberger Weihnachtsmarkt, noch Nürnberger Christkindlmarkt oder sonst wie, sondern NÜRNBERGER CHRISTKINDLESMARKT. Diese Schreibweise ist festgelegt und die Nürnberger sind da auch eigen. Also, outen Sie sich bei Ihrem Besuch nicht als Tourist. 😉 Schöne Vorweihnachtszeit!

2 Kommentare zu Der Nürnberger Christkindlesmarkt – hier ist das Christkind zuhause

  1. Der Nürnberger Christkindlesmarkt zeichnet sich durchaus dadurch aus, dass er nicht zu einem “Jahrmarkt” oder Vergnügungspark ausartet.

    Jedoch trüben leider jedes Jahr der Ansturm von Massen an Besuchern und die hohen Preise. Dieses bzw. letztes Jahr war es zwar an manchen Tagen nicht ganz so schlimm – das lag aber wohl an der Terrorangst und dem sehr kalten und rutschigen Wetter.

    Ich gehe zwar auch jedes Jahr ein Mal dort hin – aber öfters zieht es mich nicht hin, ich gehe lieber auf kleine gemütliche Märkte.

    P.S. das Christkind war wieder sehr nett und ist den zahlreichen Anfragen nach Fotos mit einem strahlenden Lächeln nachgegangen

  2. Kirsch Klara // 29. November 2011 um 13:58 //

    Ich muss sagen, mir gefällt der Nürnberger Christkindlmarkt überhaupt nicht mehr… Viel zu viel Leute und viel zu viel Kommerz.

    Da hat jeder “Dorf” Christkindlmarkt mehr Charme!

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