Kolumne

Der Nordgau – Vorläufer der Oberpfalz?

Von: Tilman Weigel

Kaum zu glauben, aber große Teile der heutigen Frankenmetropole Nürnberg gehörten schon vor über 1.000 Jahren zu Bayern. Allerdings gab es damals noch keine Stadt Nürnberg und noch kein Königreich. Bayern war ein Herzogtum, zu dem unter anderem der Nordgau gehörte, der im neunten Jahrhundert das erste Mal in einer Urkunde genannt wurde.

Der Nordgau, wie er sich um 1000 dargestellt hat, hier allerdings fälschlicherweise mit dem Radenzgau.

Grund für die Erwähnung war eine Verfügung Karls des Großen. Das Herzogtum Bayern war gerade seinem Reich einverleibt worden. Nun legte er fest, dass einer seiner Söhne “Baiern, wie Tassilo es innegehabt hat” bekam, ausgenommen “den Teil Baierns, der Nordgau heißt”, “zu dem zwei Königshöfe gehören, deren Namen Ingolstadt und Lauterhofen sind”. Diesen Teil sollte der zweite Sohn bekommen. Da beide aber vor ihrem Vater starben, erübrigte sich diese Planung.

Gegeben hat es den Nordgau natürlich schon vorher. Ausgrabung in Lauterhofen bei Neumarkt zeigen, dass hier schon in der zweite Hälfte des siebten Jahrhunderts Bajuwaren siedelten. Einige Forscher vermuten im Gebiet Neumarkt-Hersbruck-Altdorf bis hin zur Donau den Urnordgau. Der größte Teil des späteren Nordgaus war dagegen noch vom sogenannten “Nordwald” bedeckt und kaum besiedelt. Aber schon früh dehnte der Gau sich bis Ingolstadt aus, um 900 werden auch der Weißenburger Forst, Eichstätt und zwei Orte westlich des heutigen Nürnbergs genannt. Rund 60 Jahre später wird auch Premberg bei Schwandorf erwähnt.

Lauterhofen in der Oberpfalz gehörte einst ebenfalls zum Nordgau – Foto: Fabchief

Vom neunten Jahrhundert bis zur Jahrtausendwende ist der Nordgau ein fränkischer Reichsgau im Teilkönigtum Baiern. Vereinfacht gesagt gehörten zum Nordgau vor allem die nördliche Oberpfalz, der Raum Ingolstadt und die nördlich davon liegenden mittelfränkischen Gebiete bis einschließlich des Großraums Nürnberg sowie das Sechsämterland in Oberfranken und sogar Teile des heute sächsischen Vogtlandes.

Der Anfang vom Ende kam 1003. Schuld war Heinrich von Schweinfurt, der Graf in mehreren Gauen war, unter anderem auch im Nordgau. Als er sich gegen König Heinrich den II. erhob und verlor, wurden seine Besitzungen verteilt. Dabei wurden auch die im Nordgau gelegenen aus diesem herausgelöst. Große Teile wurden nun von den Diepoldingern verwaltet und teilweise weiter als Nordgau bezeichnet. Doch schon um 1100 findet sich der Begriff Nordgau in den königlichen Urkunden nicht mehr.

Als Vorläufer der Oberpfalz kann man den Nordgau nur eingeschränkt bezeichnen. Allerdings lag nicht nur der größte Teil des Nordgaus in diesem Regierungsbezirk, hier ist der Begriff auch am lebendigsten geblieben. Bei den Schützen gibt es den Oberpfälzer Nordgau in Weiden und seit 1930 finden die Nordgautage statt. Alle zwei Jahre organisiert der Oberpfälzer Kulturbund die Veranstaltung in einer anderen Stadt, im Jahr 2012 in Lappersdorf.

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