Kolumne

Der Ludwig-Donau-Main-Kanal

Von: Holger Schossig

Er war einst 172 Kilometer lang und führte durch vier Regierungsbezirke. Der Ludwig-Donau-Main-Kanal diente für rund 100 Jahre als sehr wichtige künstliche Wasserstraße in Europa. Denn der Kanal verband den Main bei Bamberg (er zweigte zwar in die Regnitz ab, die aber in den Main mündet) mit der Donau bei Kelheim (auch hier wurde ein Zufluss genutzt und zwar der der Altmühl). Diese Funktion übernimmt mittlerweile der Main-Donau-Kanal.

Schleuse 1 bei Kelheim – Foto: Michael Fries

Erbaut wurde der Ludwigskanal oder der “Alte Kanal“, wie er in der Region auch genannt wird, zwischen den Jahren 1836 und 1846. Somit hatte man damals schon eine direkte Schiffsverbindung von der Nordsee bis zum Schwarzen Meer. Während des Zweiten Weltkriegs wurde er teilweise beschädigt und anschließend aufgelassen. Heute dient er noch als Naherholungsgebiet.

Insgesamt hatte der Ludwigskanal 100 Schleusen und acht Häfen. Diese lagen in Kelheim, Beilngries, Neumarkt in der Oberpfalz, Nürnberg, Fürth, Erlangen, Forchheim und Bamberg.

Wie alles begann

Das Kanaldenkmal bei Erlangen, das an die Eröffnung 1846 erinnert – Foto: Rolf Krahl

Schon im 8. Jahrhundert wurde die Idee eines Kanals umgesetzt, um den Händlern, die per Schiff unterwegs waren, die Möglichkeit zu geben, zwischen Rhein, Main und Donau einen direkten Weg zu haben – damals noch weitestgehend über die Zuflüsse wie Altmühl und Regnitz. Karl der Große, der zu dieser Zeit König der Franken war, verwirklichte die sogenannte Fossa Carolina oder auch Karlsgraben. Dieser Kanal verband die Schwäbische Rezat mit der Altmühl. Auch wenn diese künstliche Wasserstraße keine Zukunft hatte und schon kurz nach ihrer Fertigstellung wieder aufgegeben wurde, kann sie als Vorläufer des Kanals angesehen werden.

Wo heute der Frankenschnellweg verläuft, fuhren einst Schiffe – Foto: Achates

Die Idee, den Main mit der Donau zu verbinden, wurde allerdings nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden wieder Pläne geschmiedet, ernst wurde es dann aber erst im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts. König Ludwig I. beauftragte den königlichen Baurat, Pläne für einen Kanal zu entwerfen. Gesagt, getan – schon 1836 begannen die Arbeiten. 1839 waren die Erdaushubarbeiten fertig gestellt. Nach weiteren Ausbauarbeiten und kleineren bis größeren Problemen, konnte am 6. Mai 1943 das erste Teilstück zwischen Nürnberg und Bamberg für die Schifffahrt freigegeben werden.

Es dauerte dann noch einmal rund drei Jahre, bis auch der südliche Abschnitt fertiggestellt werden konnte. Am 15. Juli 1846 wurde der Ludwig-Donau-Main-Kanal feierlich eingeweiht. Noch heute zeugt davon das Kanaldenkmal, das sich am Erlanger Burgberg befindet.

Wie alles endete

Einer der schönsten, noch erhaltenen Abschnitte bei Schwarzenbruck – Foto: Janericloebe

Schon im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts hatte man Ideen für einen größeren Kanal. Auch Prinz Ludwig von Bayern trat dafür ein. Eine Realisierung fand damals – wie wir alle wissen, noch nicht statt. Schon zur Jahrhundertwende entwickelte sich der Alte Kanal zu einem Naherholungsgebiet. Die Treidelpfade wurden zu Spaziergängen genutzt. Der Vorteil: Man war in nahezu unberührter Natur, da der Bau von Straßen weit ab vom Streckenverlauf stattfand. So findet man auch heute noch an den vorhandenen Kanalabschnitten viele Wälder.

Die Beschädigungen, die der Kanal im Zweiten Weltkrieg erhielt, waren schnell repariert und kurz nach dem Krieg wurde der Betrieb wieder aufgenommen, allerdings nur noch für Transportschiffe, die Schutt und Baumaterial transportierten. Doch schon 1950 kam das Aus für den Kanal. Er wurde aufgelassen. Teile wurden trockengelegt und verschwanden gänzlich von der Bildfläche. Der Frankenschnellweg zwischen Bamberg und Nürnberg nimmt heute einen ähnlichen Verlauf des ehemaligen Kanals ein. Vereinzelt kann man bei Forchheim noch das Kanalbett und einzelne Schleusen erkennen. In Nürnberg, genauer gesagt, an der Rothenburger Straße, erinnert noch die Begrünung zwischen den Fahrbahnen an den Alten Kanal. Ab der Nürnberger Gartenstadt bis nach Beilngries ist der Kanal noch in seinem damaligen Zustand erhalten.

Heutige Nutzung

Perfekt für Ausflügler, hier ein Streckenabschnitt bei Neumarkt – Foto: Michael Fries

Gerade an den noch vorhandenen Streckenabschnitten hat sich der Kanal zu einem Naherholungsgebiet entwickelt. Er dient Spaziergängern, Wanderern und Radfahrern für Ausflüge. Im Winter kann man auf Teilstücken Schlittschuhlaufen und Eisstockschießen. Und zwei Teilbereiche werden heute sogar noch mit Treidelschiffen befahren – ein Highlight bei Touristen wie auch bei der Bevölkerung. Die Teilstücke liegen zum einen bei Schwarzenbruck, zum anderen bei Mühlhausen.

Ein Stück bayerische Geschichte, das noch erhalten werden konnte. Ein tolles Ausflugsziel und wer Lust auf noch mehr Geschichte hat, der kann das Ludwig-Donau-Main-Kanal-Museum auf Burg Burgthann besuchen.

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