Kolumne

Der Georgiritt – Wenn die Ruhpoldinger hoch zu Ross sind

Von: Marlene Soff

Kaum steht der September in den Startlöchern, holen die Ruhpoldinger auch schon wieder ihre Pferde aus dem Stall und rüsten sich für den sogenannten Georgiritt. Dieser geht auf einen Brauch aus dem 16. Jahrhundert zurück und bringt in der heutigen Zeit eine ganze Reihe von Feierlichkeiten mit sich. Die geschichtlichen Wurzeln finden sich dabei im kirchlichen Bereich, wobei der Heilige St. Georg beim Georgiritt die Hauptrolle spielt, wie der Name schon erkennen lässt. Ihm zu Ehren werden die Rösser auch heute noch jedes Jahr prachtvoll geschmückt, sodass die Ruhpoldinger feierlich den Georgiritt begehen können. Hierfür sorgt unter anderem der Georgiverein, welcher diese Tradition in sorgsamer Weise aufrechterhält und sich dementsprechend für die alljährliche Veranstaltung engagiert.

Ein Tag im Zeichen alter Werte

Festlich geschmückte Pferdegespanne beim Georgiritt – Foto: Ruhpolding Touristmus GmbH

Wer sich einfindet, den Georgiritt in Ruhpolding zu erleben, den erwartet ein abwechslungsreicher Tag ganz im Sinne der Gemütlichkeit. Schon in den Morgenstunden kann man die Mitwirkenden beobachten, wie sie ihre Pferde schmücken, mithelfen, das Dorfzentrum in einen Festplatz verwandeln und die letzten Vorbereitungen für den Umzug treffen. Den Startschuss hat er Georgiritt dann bereits gegen 10 Uhr morgens, wenn sich die rund 180 Pferde samt Reiter zur Kirche St. Valentin aufmachen. Im Schlepptau haben sie dabei eine ganze Reihe wunderschön geschmückter Festwagen, welche unter anderem die Figur des Heiligen St. Georg mit sich führen, die ursprünglich in der Ruhpoldinger Pfarrkirche steht. Etwa eine halbe Stunde später beginnt dann der Gottesdienst, wobei um den Segen des Heiligen St. Georgs gebeten wird und auch die Pferde gesegnet werden. Sind die kirchlichen Feierlichkeiten dann abgeschlossen, macht sich der komplette Festzug wieder Richtung Dorfplatz in Ruhpolding auf, wo bereits begeisterte Menschenmengen auf die Ankunft warten. Schließlich möchte nicht jeder seinen Tag in einer Kirche beginnen!

Dem Heiligen St. Georg zu Ehren wird der Georgiritt veranstaltet

Um die Mittagszeit herum wird dann so langsam aber sicher zum gemütlichen Teil der Veranstaltung übergegangen und es gibt neben einer ordentlichen Brotzeit natürlich auch ein buntes Rahmenprogramm. So finden sich in allen Ecken und Enden kleine Musikgruppen, welche die Besucher des Dorfplatzes unterhalten und Geschäfte der Stadt haben an diesem Tag ebenfalls geöffnet. Übrigens findet zeitgleich mit dem Ruhpoldinger Georgiritt jedes Jahr auch gleich der autofreie Sonntag statt, was natürlich ganz im Sinne der stolzen Rösser ist.

Ein Fest für Groß und Klein

Auch wenn den Bayern immer eine strenge Gottgläubigkeit nachgesagt wird, ist es in der heutigen Zeit sicherlich nicht jedem Bayern ein Anliegen, einen Gottesdienst zu besuchen. Nichtsdestotrotz muss man nicht unbedingt ein gottestreuer Mensch sein, um am Georgiritt in Ruhpolding Gefallen zu finden. Schließlich ist es schon eine echte Schau, wenn die würdevollen Haflinger und Kaltblüter durch die Gassen von Ruhpolding ziehen und dabei prachtvoll geschmückte Kutschen hinter sich herziehen. Und was den gemütlichen Teil der Veranstaltung angeht, so kenne ich keinen Bayern, der das nicht schätzen würde!

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