Kolumne

Das KZ in Flossenbürg

Von: Anja Bergler

foto-anja-22Auch über der Oberpfalz liegt ein dunkler Schatten der Vergangenheit. Im Jahr 1938, zu Beginn des 2. Weltkrieges, wurde in Flossenbürg im Landkreis Neustadt an der Waldnaab ein Konzentrationslager errichtet. Grund für diesen Standort war der florierende Steinbergbau, von dem bis zu diesem Zeitpunkt die ganze Region lebte. Da sich das Nazi-Regime hier einen Profit erhoffte, wurde das Lager errichtet, um ausländische Kriegsgefangene aus 30 Nationen in den Steinbergwerken arbeiten zu lassen. Erst später wurde mit Fertigung von Flugzeugteilen begonnen.

Die ersten Deportationen im Jahr 1938

Appellplatz, links Lagerküche, rechts Lagerwäscherei - Foto: Gedenkstätte Flossenbürg

Appellplatz, links Lagerküche, rechts Lagerwäscherei – Foto: Gedenkstätte Flossenbürg

Es wurden die ersten Menschen-Transporte für den Lageraufbau aus den bereits bestehenden Konzentrationslager Buchenwald, Sachsenhausen, Dachau und später Ausschwitz, nach Flossenbürg durchgeführt. Bis Kriegsende 1945 befanden sich insgesamt rund 100.000 Häftlinge im KZ Flossenbürg und in den mehr als 90 Außenlagern, die über Bayern, Sachsen und Böhmen verteilt waren. Nach Einschätzung überlebten rund 30.000 Häftlinge das Martyrium nicht.

Erst im Jahr 1944 trafen die ersten Juden aus Ungarn und Polen im KZ Flossenbürg ein. Auch diese wurden zur Zwangsarbeit verurteilt, von den unmenschlichen „Haftbedingungen“ ganz zu schweigen. Das Lager war ständig überfüllt. Es gab keine angemessene medizinische Versorgung und die Menschen mussten Hunger leiden. Der Tod der Häftlinge wurde billigend in Kauf genommen. Bis zur Befreiung durch die US-Armee im Jahr 1945 waren teilweise 20.000 Menschen in diesem Lager untergebracht, dass eigentlich nur für 5.000 Menschen ausgelegt war.

Prominentester Insasse war der Widerstandskämpfer und Geistliche Dietrich Bonhoeffer, der kurz vor Ende des Krieges am 09. April 1945 durch die SS gehängt wurde. Dieser wurde, zusammen mit sieben weiteren Häftlingen, unter anderem auch für das missglückte Hitler-Attentat vom 20. Juli 1944 verantwortlich gemacht.

Vertuschungsversuche kurz vor dem Kriegsende

Ausstellung zur Lagergeschichte - Foto: Peter Wentzler

Ausstellung zur Lagergeschichte – Foto: Peter Wentzler

Mitte April 1945 wurde das Lager allerdings geräumt, dennoch blieb den Befreiern der schreckliche Anblick der vielen Leichen nicht erspart. Annähernd 16.000 marschfähige Häftlinge (der Rest wurde zurückgelassen) wurden in Kolonnen Richtung Dachau getrieben. Nur 2.800 davon kamen auch wirklich dort an. Auch nach der Befreiung starben noch viele Insassen an den Folgen der Inhaftierung oder litten an den Spätfolgen der Folter.

Die Gedenkstätte in Flossenbürg

Mittlerweile wurde hier eine Gedenkstätte errichtet, die an den Tod und an das Leid der Häftlinge erinnert. Auf dem Friedhof haben nach dem Kriegsende ungefähr 5.500 Menschen ihre letzte Ruhe in den Grabfeldern gefunden. Im „Tal des Todes“ steht eine Aschenpyramide, die an die Toten erinnert, die im Krematorium verbrannt wurden.

Von 2004 bis 2007 wurde die Gedenkstätte umfassend neu gestaltet. Historische Gebäude wie die Häftlingsküche oder die Wäscherei wurden saniert, der Appellplatz wieder hergestellt und auch ein Teil ein Teil des ehemaligen Arrestgebäudes kann besichtigt werden. In den Gebäuden selbst gibt es eine Dauerausstellungen, die in Bildern die Geschichte des Lagers aufzeigt. Zahlreiche Relikte blieben der Nachwelt erhalten und können ebenfalls besichtigt werden. Zudem gibt es bis zum 17. September eine Sonderausstellung über Dietrich Bonhoeffer und im ehemaligen Arrestbau wird ab Oktober 2010 eine zweite Dauerausstellung eingerichtet.

Gedenkfeiern im KZ  Flossenbürg

In diesen Tagen jähren sich zum 65. Mal die Befreiung und das Ende des 2. Weltkrieges. Anlässlich dieser Ereignisse finden in der KZ Gedenkstätte Flossenbürg  zahlreiche Veranstaltungen statt. Zu den Öffnungszeiten kann man die Gedenkstätte sowie die Ausstellungen besuchen oder wahlweise auch an Führungen teilnehmen.

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