Kolumne

Das Ehekarussell – der größte europäische Figurenbrunnen des 20. Jahrhunderts

Von: Sebastian Herbst

Das Ehekarussell in Nürnbergmag schon so manchen Fremden die Frage aufgeworfen haben, wann dieses Bauwerk denn wohl entstanden sein mag. Bevor Sie nun auch den Fehler machen und den Ursprung des Brunnens in den Barock legen, will ich Sie aufklären: 1984 wurde das Ehekarussell nämlich erst gebaut – was es auch zum „größten europäischen Figurenbrunnen des 20. Jahrhunderts“ macht.

Das Ehekarussell vor dem Weißen Turm – Foto: Creando

Erstaunlich? Dann wird sie der Grund für den Bau noch mehr überraschen, der ist nämlich alles andere als romantisch, galt es doch, den U-Bahn-Entlüftungsschacht der Haltesteller Weißer Turm irgendwie zu überbauen, sodass das Bild der Innenstadt gewahrt bliebe. Was nun für mehr Aufruhr gesorgt hätte, der Brunnen oder letztendlich doch der Schacht, das bleibt wohl die Frage, denn aufgrund einer sehr überzeichneten Darstellung der Figuren löste das Ehekarussell große Entrüstung bei Teilen der Bevölkerung und der Presse aus. Man kann sich diese Überzeichnung schon in etwa vorstellen, wenn man erfährt, dass sechs Szenen vorhanden sind, die das Auf und Ab des Ehelebens darstellen – natürlich nicht, ohne eine deftige Prise an Ironie und schwarzem Humor beizumischen.

Heute ist das Ehekarussell jedoch gern gesehen und gehört zur Nürnberger Innenstadt genauso, wie der danebenliegende Weiße Turm oder die etwas entfernte stehende Elisabethenkirche. Auch fungiert er als Anlaufstation zahlreicher Touristen – nur würde es mich einmal interessieren, was die denn so über die Entstehungszeit des Brunnens denken.

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