Kolumne

Da „Pfingstl“ kimmt

Von: Tanja Ranzinger

foto-tanja-23In Bayern gibt es viele Bräuche. Einige davon geraten nach und nach in Vergessenheit, an manche Bräuche erinnern sich nur noch die Alten. Gelebt werden diese nur noch selten. Ein sehr weltlicher Pfingstbrauch, der sich bis heute im Bayerischen Wald gehalten hat und überwiegend in der Gegend um Cham, Regen und Kötzting noch ausgelebt wird, ist der „Pfingstl“.

Ja, unter den Birkenzweigen steckt der Pfingstl - Foto: Trachtenverein Hirmonstaler

Ja, unter den Birkenzweigen steckt der Pfingstl – Foto: Trachtenverein Hirmonstaler

Dort kommt der „Pfingstl“ am Pfingstsonntag zu den Leuten in den Dörfern und Städten zu Besuch, wo er schon freudig erwartet wird. Was aber verbirgt sich hinter dem „Pfingstl“? Nun dahinter steckt ein junger Bursche, welcher von Kopf bis Fuß mit Stroh, Birkenzweige oder aber auch Tannenreisig umwickelt wird, so dass von ihm nichts mehr zu sehen ist. Nur er selbst kann durch winzig kleine Löcher ein klein wenig hindurchschauen. Auf diese Weise soll der Bursche den vergangenen Winter symbolisieren.

Da der „Pfingstl“ in seiner Montur so gut wie nichts sieht, braucht er weitere junge Burschen und Madla, welche ihm Geleit geben. Diese sind mit ihrer Waidlertracht festlich gekleidet. Jeder von ihnen hat eine Pfingstrute dabei, welche mit vielen bunten Bändern geschmückt wurde. So gehen sie nun am Pfingstsonntag von Haus zu Haus und sagen dabei ihren scherzhaften Spruch auf.

Kimmt da Pfingstl daher, ganz drugga und sper
dad bitt’n um a Oa, da Pfingstl um zwoa
und um an Brogga Schmoiz, so groaß wiar a Roßkopf
werma uns scho vergleicha mit Drummen und Pfeifa
mit danzn und spuin. Juche, Pfingstl drah de – guggu!

Für alle, die des Oberpfälzerischen nicht mächtig sind, hier die Übersetzung:

Kommt der Pfingstl daher, ganz trocken und spröde
würde bitten um ein Ei, der Pfingstl um zwei
und um ein Stück Schmalz, so groß wie ein Roßkopf
werden es schon begleichen mit trommeln und pfeifen
mit tanzen und spielen. Juche Pfingstl drehe dich
– Kuckuck!

In dieser Gestalt klappert der Pfingstl jedes Haus ab - Foto: Trachtenverein Hirmonstaler

In dieser Gestalt klappert der Pfingstl jedes Haus ab – Foto: Trachtenverein Hirmonstaler

Danach werden der „Pfingstl“ und seine Begleiter mit Eiern beschenkt. Bevor sie zum nächsten Haus marschieren, verabschieden sie sich mit dem Segensspruch, dass man sich im nächsten Jahr in Freuden wieder finden möge.

Der „Pfingstl“ in der nördlichen Oberpfalz

In der nördlichen Oberpfalz freut man sich weniger auf den „Pfingstl“. In manchen Orten war es früher der Brauch, in der Nacht zum Pfingstsonntag auf Hausdächern heimlich einen „Pfingstl“ zu setzen. Dieser bestand aus einer lebensgroßen Strohpuppe, welche mit Männerkleidern angezogen wurde. Der Grund dafür war, dass die Burschen einem Mädchen mit schlechtem Ruf damit einen Denkzettel verpassen wollten. Der „Pfingstl“ auch „Pfingstlümmel oder Pfingsthansel“ genannt, setzte das Mädchen dann dem Gespött des Dorfes aus. Es ist wohl sehr verständlich, dass dort der „Pfingstl“ nicht gern gesehen ist.

Kommentar hinterlassen