Kolumne

Bamberg – das fränkische Rom

Von: Ingrid Neufeld

Leiden die Franken an völliger Selbstüberschätzung, wenn sich eine fränkische Stadt, die noch nicht mal Großstadt ist, als fränkisches Rom bezeichnet? Oder geht diese Idee auf das Konto pfiffiger Werbestrategen?

Nein, ausnahmsweise waren es keine modernen Marketingmanager, die Bamberg diesen Titel verliehen haben. Vielmehr geht der Name auf den deutschen Kaiser Heinrich II. zurück. Es war seine Idee, mit Bamberg ein Abbild Roms zu verwirklichen. Tatsächlich wurde Bamberg genau wie Rom auf sieben Hügeln erbaut.

Das Wahrzeichen Bambergs: der Dom – Foto: Nawi112

So gibt es da den Stephansberg. Dort steht die heutige evangelische Hauptkirche, St. Stephan. Sie wurde 1009 als bischöfliches Eigenkloster gegründet. 1807 wurde sie vom König Max I. Joseph an die evangelische Kirche übergeben.

Der nächste Berg ist der Kaulberg mit dem Karmelitenkloster, das seit 1273 im Bamberg ansässig ist, wenn auch ursprünglich an anderer Stelle. Damit ist es eines der ältesten Klöster, die der Orden global besitzt. Noch immer leben rund 25 Brüder im Kloster.

Die höchste Erhebung Bambergs liegt 386m über dem Meeresspiegel und bietet Platz für die Altenburg. Sie wurde 1109 zum ersten Mal erwähnt und diente ursprünglich als Fliehburg. Zwischen 1305 und 1553 lebten dort die Bamberger Fürstbischöfe, die sie zur Landesburg ausbauen ließen. Für Touristen gehören zur besonderen Attraktion die gut erhaltene Burgmauer mit Wehrgang, dazu die Brücke, der Torbau, der Bergfried und die Burgkapelle. Die Kreuzgruppe vor der Burg ist ebenfalls sehenswert.

Das Kloster St. Michael mit Kirche – Foto: Richard Schubert

Alle, die sich schon mal mit dem Gedanken getragen haben, nach Santiago de Compostela zu pilgern, finden es sicher interessant, dass es auch in Bamberg eine Jakobskirche gibt, und zwar auf dem Jakobsberg. Hier führt einer der vielen Pilgerwege vorbei.

Das Kloster Michelsberg war Namensgeber für den sogenannten Michelsberg. Von dort genießt der Tourist einen super Ausblick über Bamberg.

Der Abtsberg gehörte einst einem Abt des Klosters Michelsberg und kam so zu seinem Namen. Während der Apfelblüte hat man von diesem Berg einen atemberaubenden Blick auf das Ottobrunnental mit seinen Streuobstwiesen.

Klein Venedig – Foto: Mkleine

Die berühmteste Erhebung ist der Domberg. Einst stand dort die Babenburg, eine Befestigungsanlage, aus der sich die Stadt Bamberg entwickelte. Wie archäologische Funde beweisen, war dieser Teil schon um 600 n. Chr. durchgängig besiedelt. Aber sogar schon vor 3.000 Jahren, also in der Bronzezeit, befand sich dort eine Siedlung. Heute steht auf diesem Berg der Dom. In dem sind Kaiser Heinrich II. und seine Gemahlin Kunigunde begraben. Er ist der einzige deutsche Kaiser, der heiliggesprochen wurde. Übrigens war es am 6. Mai 2012 genau 1.000 Jahre her, dass der Dom geweiht wurde. Ein Grund mehr, mal nach Bamberg zu fahren.

Was Bamberg außerdem besonders macht, ist die Tatsache, dass hier im Dom der einzige Papst liegt, der je nördlich der Alpen beerdigt wurde, nämlich Clemens II., der nur neun Monate nach Amtsantritt starb.

Wer sich die Mühe macht, Bamberg zu besuchen, sich vom italienischen anmutenden Flair anstecken lässt  und die historischen Eckchen entdeckt, wird vom Charme dieser Stadt begeistert sein und den Touristen Recht geben, die vom fränkischen Rom, oder auch von Klein-Venedig schwärmen. Seit 1993 ist Bamberg Weltkulturerbe – und das zu Recht!

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