Kolumne

Bad Wörishofen: Die Mutter der Kneippkuren

Von: Harry Sochor

Dem Pfarrer Sebastian Kneipp ist es zu verdanken, dass die größte Stadt im Landkreis Unterallgäu, Bad Wörishofen, heute weit über die Grenzen der Region hinaus bekannt ist. Die heilkräftige Wirkung des Wassers hatte Kneipp zwar nicht hier entdeckt, doch sein Wirken legte schon im 19. Jahrhundert den Grundstein für einen florierenden Kurbetrieb. Seinen Zeitgenossen waren Kneipps Methoden allerdings mehr als suspekt.

Die Innenstadt von Bad Wörishofen – Foto: Lothar Spurzem

Von einem florierenden Gemeinwesen kann man bei Bad Wörishofen über den größten Teil seiner Geschichte nicht sprechen. Gegründet wurde die Ortschaft in der Region Donau-Iller 1067, erstmals wird der Ort unter dem Namen „Werenshova“ erwähnt. Nach einigen Jahrhunderten im Dämmerschlaf der Geschichte belebte erst in den Jahren von 1719 bis 1721 der Bau des Klosters Wörishofen das Leben in der bäuerlichen Ansiedlung. Das Kloster wurde von den Augsburger Dominikanerinnen gegründet, 1803 mit der Säkularisation aufgelöst und 23 Jahre später wieder aufgebaut.

Die Beschaulichkeit fand gegen Ende des 19. Jahrunderts ihr Ende. Denn 1889 wurde der Kurbetrieb unter Pfarrer Sebastian Kneipp aufgenommen. Der Pfarer kam 1855 als Beichtvater für das Dominikanierinnenkloster nach Bad Wörishofen. Er hatte eine Therapie entwickelt, dank der sich mit Wasser verschiedene körperliche Gebrechen lindern lassen. Und diese Therapie war erfolgreich, sie zog sowohl Reiche als auch Gesundheitsbewußte in den beschaulichen Ort.

Im Kurpark von Bad Wörishofen – Foto: Lothar Spurzem

Einen wahren Boom erlebte Bad Wörishofen zwischen 1891 und 1896. In diesen fünf Jahren wurden mehr als 120 neue Gebäude errichtet, in erster Linie Hotels und Pensionen. In den ersten Jahren kämpfte der Pfarrer aber gegen massive Widerstände. Die Einwohner von Bad Wörishofen waren mehr als skeptisch, und ein Bürgermeister legte wegen Kneipps Aktivitäten sogar sein Amt nieder.

Ein weiterer Aufschwung bahnte sich ab 1920 an, als Wörishofen das Prädikat „Bad“ im Namen führen durfte. Nach den Wirren des Zweiten Welktkriegs wurde Bad Wörishofen schließlich das Stadtrecht verliehen. Der Kurort musste durch die Gesundheitsreformen in den 90er Jahren allerdins einige Feder lassen. So sackte die Zahl der Übernachtungen von fast 1,5 Millionen auf rund 800.000 im Jahr 2003 ab. Man investierte allerdings trotzdem weiter in die Zukunft, so wurde 2004 eine neue Therme mit Südsee-Flair eröffnet.

Zu den wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Bad Wörishofen zählt der Kurpark. Er enthält eines der größten Rosarien in Deutschland mit mehr als 8.000 Rosenstöcken aus 530 Arten. Des Weiteren gibt es in der Stadt zahlreiche Baudenkmäler zu besichtigen, darunter beispielsweise das Kloster der Dominikanierinnen.

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