Kolumne

Ausstellung „Tri Tra Trullala. Von der Bedeutung einer ganz unbedeutenden Sache“

Von: Sebastian Herbst

Ein Lausbub war er ja schon immer, der Kasperl, so kennen wir ihn halt und daran ist ja auch nichts verkehrt. Ohne seinen Schabernack gäb’s ja auch kein „Theater“ mehr im Kasperltheater. Dass der Schelm aber schon uralt ist und mit seinen Scherzen nicht selten gegen die „Political Correctness“ verstieß, wissen hingegen die wenigsten.

Die Sonderausstellung "Tri Tra Trullala"

Die Ahnen des Kasperles jedenfalls waren alles andere als angenehme Zeitgenossen, im Mittelalter war die Gestalt mit Kapuze, Maske und Knüppel als Höllendiener verschrien, auch der süditalienische Pulcinella, alles in allem eine recht verschlagene und listige Figur, nahm Einfluss auf den späteren Kinderliebling. Es war also wenig verwunderlich, dass dessen Frühform, der „Hanswurst“, in der Zeit der Aufklärung verboten wurde. Paradoxerweise entstand aus diesem Verbot erst das Kasperle, denn durch diese einfache Umbenennung konnte man die Zensur sehr einfach umgehen.

Und das frühe Kasperle haut ordentlich auf den Putz: Da wird schon einmal der osmanische Sultan mitsamt seines Feldmarschalls gehängt und auf Priester eingeschlagen. Und während des Dritten Reichs tritt der lustige Geselle zunehmend im Interesse des nationalistischen Regimes auf – man sah also auch hier die Manipulationsmöglichkeiten, die einem das Kasperle aufgrund seiner großen Anhängerschaft, insbesondere bei den Kindern, bot.

Heute ist der ehemalige Hanswurst zum Glück nur noch ein spaßiger, etwas überdrehter Zeitgenosse, für die Großen Erinnerung an die eigene Kindheit und für die Kleinen einfach ein riesengroßer Spaß. Wer dennoch gerne Dinge hinterfragt und auch die Geschichten zu den Helden seiner Jugend kennt, dem ist die Ausstellung „Tri Tra Trullala. Von der Bedeutung einer ganz unbedeutenden Sache“ im Museum Malerwinkelhaus Marktbreit im Landkreis Kitzingen nur ans Herz zu legen. Denn wenn Sie die kleine Anekdote oben schon unterhalten hat, werden Sie dort aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Eile ist im Übrigen nicht angesagt: Bis zum 30. Oktober ist das Kasperle noch Stargast in Unterfranken.

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