Kolumne

175 Jahre deutsche Eisenbahn

Von: Holger Schossig

foto-holger-27Man schreibt den 7. Dezember 1835. An diesem kühlen Montagmorgen begann es: Die Geschichte der deutschen Eisenbahn. Denn an diesem Tag fuhr die erste Lokomotive auf deutschem Boden. Der Ort: Nürnberg. Hier fuhr sie los und tuckerte mit 28 Stundenkilometern in die Nachbarstadt Fürth. 7,5 Kilometer Strecke waren es und sind es auch noch heute. Dafür brauchte man ganze neun Minuten. Wer nachrechnet wird feststellen, dass das nicht ganz hinkommt. Bei der Jungfernfahrt hat der Lokführer auch etwas mehr Gas, pardon, Dampf gegeben. Die Höchstgeschwindigkeit wurde allerdings anschließend vom Direktorium der Ludwigseisenbahn auf besagte 28 Kilometer pro Stunde festgelegt.

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Von solchen Zügen konnte man 1835 nur träumen – Foto: Holger Schossig

Wie bis heute üblich, bekam auch die erste deutsche Eisenbahn einen Namen. Man nannte sie Adler. Bei der Jungfernfahrt waren 200 Gäste geladen, die beim Ausflug nach Fürth dabei waren. Seit diesem Tag verkehrte der Adler regelmäßig zwischen diesen beiden Städten. Bis zum Jahr 1857 war er dann auch in Betrieb, bevor er nach 22 Jahren stillgelegt wurde. Heute kann man ihn als Nachbau im Nürnberger Verkehrsmuseum begutachten.

Weil es zwischen Nürnberg und Fürth so gut mit der Eisenbahn geklappt hatte, wurden schon bald neue Strecken in Deutschland eröffnet. Es folgte am 24. April 1837 die Strecke Leipzig – Dresden, am 22. September 1838 die Strecke Berlin – Potsdam, im selben Jahr am 1. Dezember Braunschweig – Harzburg und am 20. Dezember Düsseldorf – Elberfeld. Weitere wichtige Strecken waren die zwischen München und Augsburg, die am 1. September 1839 eingeweiht wurde, Frankfurt – Wiesbaden am 26. September 1839, Berlin – Stettin am 1. August 1842, Berlin – Frankfurt an der Oder am 23. Oktober 1842, Hamburg-Altona – Kiel am 18. September 1844, Frankfurt am Main – Heidelberg am 22. Juni 1846 und Hannover – Kassel am 1. Mai 1853.

In Bayern hat sich das Bahnnetz wie folgt ausgedehnt: Wie schon genannt, war die nächste Strecke nach Nürnberg – Fürth die Verbindung München – Augsburg. Es folgten: Hof – Lindau am 1. Oktober 1844 über Nürnberg und Kempten, Bamberg – Aschaffenburg am 1. August 1852 über Schweinfurt, Würzburg, München – Nürnberg am 3. November 1858 über Landshut und Regensburg und Coburg – Lichtenfels am 24. Januar 1859. Und auch über die bayerischen Grenzen hinaus wurde eifrig gebaut und eröffnet. So war die Strecke Hof – Leipzig die erste, die Bayern mit einem anderen Bundesland per Schiene verband. Diese Strecke wurde am 19. September 1842 freigegeben. Weitere Strecken waren Aschaffenburg – Mainz am 1. August 1858, Coburg – Eisenach am 1. November 1858 und am selben Tag die Strecke Coburg – Sonneberg. Am 7. Mai 1860 wurde dann die erste Strecke ins Ausland eröffnet, ab diesem Tag konnte man per Zug von Rosenheim nach Salzburg fahren.

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