Kolumne

Wer kennt Valentin Ludwig Fey?

Von: Tilman Weigel

Er war eine widersprüchliche Person, dieser Valentin Ludwig Fey, Sohn eines Speditionsunternehmers aus der Münchner Vorstadt Au. Der besser als Karl Valentin bekannte Komiker gilt als Sprachanarchist, doch moderne Musik und Malerei lehnte er ab. Die Nazis mochte er nicht und sein Film „Die Erbschaft“ wurde von ihnen verboten, doch eine Valentin-Biographie von Monika Dimpfl kommt zu dem Schluss, dass der Komiker auch mit den Rechtsextremen zusammen arbeitete, wenn es ihm nutzte. So soll er 1934 dem Filmemacher Walter Jerven nachgesagt haben, er heiße in Wahrheit Samuel Wucherpfenning. Im Dritten Reich keine besonders witzige Unterstellung. Jerven konnte allerdings einen Ariernachweise erbringen.

Karl Valentin in einem Portrait von Eugen Rosenfeld

Nach einer Schreinerlehrer arbeitete Karl Valentin zunächst als Handwerker, bevor 1902 sein Vater starb und der 20-jährige mit seiner Mutter die Leitung des väterlichen Betriebs übernahm. Der junge Mann stand da aber schon längst auf der Bühne. Im gleichen Jahr trat er im Nürnberger Varieté Zeughaus erstmals unter seinem neuen Künstlernamen auf: Karl Valentin.

Seine Karriere als Unternehmer verlief nicht besonders erfolgreich, 1906 ging das Unternehmen pleite und Valentin zog mit seiner Mutter nach Sachsen. Ab da verdiente er ausschließlich als Humorist und Schauspieler sein Geld, allerdings zunächst ebenfalls nicht besonders erfolgreich. Erst nach der Rückkehr nach München zwei Jahre später ging es aufwärts. Er wurde an der Volkssängerbühne im Frankfurter Hof angestellt und lernte drei Jahre später eine junge Schauspielerin kennen. Auch sie ist unter ihrem richtigen Namen Elisabeth Wellano kaum bekannt, die meisten kennen sie als Liesl Karlstadt.

Der Valentinbrunnen auf dem Viktualienmarkt – Foto: Ramgeis

Für Valentin begann seine vielleicht erfolgreichste Zeit. Bereits ab 1912 richtete er ein Filmstudio ein. Denn so kritisch er den Neuerungen in der Musik und am Theater gegenüber stand, so fasziniert war er von den technischen Innovationen seiner Zeit. So wurden Valentin und Karlstadt nicht nur auf der Bühne, sondern auch im Film erfolgreich.

Nur als Unternehmer hatte er weiterhin kein Glück. Sein Theater schloss er gleich nach der Eröffnung wieder, weil er aus Brandschutzgründen auf der Bühne keinen brennden Zigarettestummel haben durfte und sein „Panoptikum für Nonsens“ war ein finanzieller Flop und ruinierte nicht nur ihn, sondern auch Liesl Karlstadt. Am bekanntesten dürfte die Geschichte vom Buchbinder Wanninger sein, der bei einem Kunden nachfragt, ob er die Rechnung gleich der Lieferung beilegen soll. Doch dort, bei der Baufirma Meisel & Compagnie, wird er nur von Mitarbeiter zu Mitarbeiter weiterverbunden, ohne eine Antwort zu erhalten.

Zu allem Überfluss trennte er sich auch noch 1939 von seiner langjährigen Partnerin und ersetzte sie durch die 35 Jahre jüngere Annemarie Fischer. Auch seine Theaterkneipe „Ritterspelunke“ schloss kurz nach der Eröffnung wieder. Selbst die erneute Zusammenarbeit mit Karlstadt ab 1947 rettete ihn nicht mehr. Als er 1948 versehentlich in einem Theater eingeschlossen wurde, holte sich der unterernährte Valentin eine Lungenendzündung und starb im gleichen Jahr.

Seine Wiederentdeckung erlebte er ebenso wenig wie 1959 die Eröffnung des Valentin-Karlstadt-Musäum in München.

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