Kolumne

Wenzelschloss und Kunigundenfest – Sehenswertes Lauf

Von: Tilman Weigel

Zum Wenzelschloss? Ist das nicht in Prag? Nein, in Prag gibt es zwar einen Wenzelsplatz, das Wenzelschloss dagegen steht im mittelfränkischen Lauf. Benannt ist es allerdings nicht nach dem Heiligen Wenzel, sondern nach Wenzel dem Faulen. Der war nämlich Schlossherr, als Lauf zum Königreich Böhmen gehörte.

Das Wenzelschloss in Lauf – Foto: Rainer Lippert

Ursprünglich standen hier vor allem Mühlen, denn das Wasser fließt hier aufrund des starken Gefälles besonders schnell, daher auch der Name Lauf. Die böhmische Zeit ist zwar eine bedeutende, aber nur relativ kurze Epoche. Denn die rund 26.000 Einwohner zählenden Kreisstadt des Nürnberger Landes wechselte zeitweise die Landesherren wie Hollywood-Stars die Ehepartner. Lauf war ursprünglich ein Reichsgut, doch im 13. Jahrhundert fiel die Stadt an die Wittelsbacher, um 1353 böhmisch zu werden. Zwei Jahre später wurde Lauf zur Stadt und ein weiteres Jahr später begannen die Arbeit für den Bau des Wenzelschlosses an Stelle der zerstörten alten Burg.

Der Laufer Marktplatz – Foto: Franconia, http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/legalcode

Doch schon 1373 kam Lauf wieder an die Wittelsbacher und wurde 19 Jahre später bei der dritten bayerischen Landesteilung Bayern-Ingolstadt zuschlagen. Dort blieb es immerhin über 70 Jahre, ehe es zunächst Teil von Bayern-Landshut wurde und nach dem Landshuter Erbolgekrieg als Landbesitz zur Freien Reichsstadt Nürnberg kam. Somit hatte die Stadt innerhalb von 200 Jahren fünfmal das Land gewechselt. Bei den Nürnbergern blieb Lauf allerdings die nächsten 300 Jahre, bevor erneut die Wittelsbacher Herren der Stadt wurden.

Große Teile der Stadt stammen noch aus der Nürnberger Zeit. Denn wie viele Städte der Region hat Lauf sich seine von Fachwerkhäusern und Resten der Stadtmauer geprägte Altstadt erhalten. Sehenswert sind unter anderem die Stadtkirche, das „alte“ Rathaus am Marktplatz und das Glockengießerspital mit seinem romantischen Innenhof und der Kirchenruine. Auch zwei Stadttore sind noch erhalten. Am Rande der Altstadt gelegen und ebenfalls sehenswert ist das oben erwähnte Wenzelschloss, ein Wasserschloss, das heute eine Außenstelle der Akademie der Bildenden Künste beherbergt.

Bekannt ist die Stadt auch für das Kunigundenfest, ein großes Volks- und Heimatfest. An zwei Tagen ziehen Schüler der Laufer Schulen, Vereine und die Stadtspitze aus der Stadt zum Kunigundenberg. Zentrum des Zuges ist die Kaiserin Kundigunde mit ihrem Hofstaat, gespielt von Laufer Grundschülern, die am Festplatz auch den traditionellen Weißen Reigen aufführen.

Die echte Kaiserin dürfte dagegen nie in Lauf gewesen sein. Als sie vermutlich im Jahr 1033 starb, war Lauf noch eine unbedeutende Siedlung.

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