Kolumne

Wenn die Perchten durch die Lande ziehen

Von: Marlene Soff

Wer sie noch nicht erlebt hat, kann sich unter dem Begriff Perchten meist nicht allzu viel vorstellen. Dabei gehören Perchten zum bayrischen aber auch zum österreichischen Brauchtum fest dazu und sind noch heute jedes Jahr unterwegs. Doch gerade in Bayern, wo die schaurigen Gesellen eigentlich fest in der Geschichte verankert sind, trifft man die Perchten leider nur noch selten an. Wo sie aber auftreten, kommt es zu weinenden Kindern in Scharen und Eltern, die nicht wissen, wie sie ihre lieben Kleinen beruhigen können und ihnen erklären sollen, was da vor sich geht. Ein Grund mehr also, das Brauchtum der Perchten einmal wieder in Erinnerung zu rufen.

Über schaurige Gesellen und freundliche Perchten

Obacht vor den Schiechperchten! Foto: MatthiasKabel

Was den Ursprung der Perchten angeht, so scheiden sich bereits an diesem Punkt die Geister deutlich. Während die einen meinen, dass die gruseligen Gestalten auf einen heidnischen Brauch zurückgehen und aus diesem Grund nicht mit der katholischen Kirche in Zusammenhang gebracht werden sollten, sind die anderen der Meinung, dass eben genau das Gegenteil der Fall ist und die Perchten sich eigentlich vom Dreikönigstag ableiten. Welche der beiden Geschichten nun stimmt, lässt sich heute kaum noch nachvollziehen, doch landläufig werden die Perchten im Namen der Geistervertreibung losgeschickt.

Dabei wird zunächst einmal in zwei Gruppen unterschieden, die Schönperchten und die sogenannten Schiechperchten. Wie der Name bereits erkennen lässt, sind die Schönperchten eher freundliche Gesellen, welche mit Musik und freundlichen Klängen durch die Gegend ziehen und den Menschen wohlgesonnen sind. Gefürchteter sind da schon die Schiechperchten, die nicht selten auch dafür verantwortlich sind, dass kleine Kinder anfangen zu weinen. Sie haben schaurige Masken auf und sind meist mit Ruten oder Zweigen bewaffnet, welche sie auch mit Vorliebe einsetzen. Jeder, der nicht schnell genug laufen kann, bekommt eins mit der Rute und so sollte man sich von den Schiechperchten nach Möglichkeit eher fernhalten.

Auch der Krampus ist mit von der Partie – Foto: MatthiasKabel

Beide Gruppen, also sowohl die Schönperchten als auch die Schiechperchten sind mit Glocken ausgestattet, welche dazu dienen sollen, den Winter oder auch die bösen Geister, die für den Winter verantwortlich sind auszutreiben. Ob man nun die Perchten aus dem österreichischen Raum nimmt oder auch die bayrischen Perchten, in beiden Fällen gibt es bestimmte Figuren, die zur Grundausstattung der Perchten gehören. Die zentrale Figur ist dabei Frau Percht, es gibt aber zum Beispiel auch noch den Glöckler, die Berchtlmuada, den Habergeiß und vielerorts sogar den Satan.

Wenn die Rauhnächte über Bayern kommen

Um Weihnachten herum, an Silvester und am Dreikönigstag sind die vier traditionellen Rauhnächte, welche in Bayern und Österreich die Perchten auf den Plan rufen. Möchte man sich also das schaurige Treiben selbst einmal ansehen, sollte man sich gerade in diesen Nächten auf den Weg machen und sich unter Menschen mischen. Denn vielerorts engagieren sich örtliche Gruppen für diesen Brauch und schicken die Perchten los. Besonders bekannt für seine umtriebigen Perchten ist zum Beispiel der Ort Kirchseeon, welcher sich in der Nähe von München befindet. Wer sich jedoch aufmacht, die schaurigen Gestalten zu sehen, sollte seine Heckseite vorab gut polstern!

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