Kolumne

Welche Alternativen bieten sich Pendlern, wenn die Benzinpreise weiter steigen ?

Alte Benzinpreise

Alte Benzinpreise
Dass die Benzinpreise in der Tendenz weiter ansteigen werden, das glauben die meisten Deutschen. Diese Überzeugung hat auch ihre Berechtigung z. B. darin, dass Rohstoffpreise grundsätzlich immer auch ein Spiegel der Inflation und der Inflationsbefürchtung sind.

An dieser Stelle könnte man nun viele wirtschaftliche Zusammenhänge, die ein sehr komplexes und sensibles Netzwerk sind, erklären, beispielsweise eingehen auf die Ölförderraten, die diesbezüglichen Vereinbarungen der Kartelle, die Angebote und gespeicherten Mengen, die die Tanklager der Raffinerien vorhalten, Kriegsgefahren im Nahen Osten, die Spekulationen auf steigende Preise auslösen usw. Dem gegenüber stehen dann Überlegungen hinsichtlich des Frackings, dass das Angebot drastisch erhöhen könnte.

All diese hier genannten und auch nicht genannten Zusammenhänge sind so kompliziert und auch so labil, dass es am Ende nur müßig und im Grunde unmöglich ist, alles in den richtigen Portionen in die Waagschale zu werfen mit dem Ziel einer verlässlichen Aussage über die Benzinpreisentwicklung. Was bleibt und was zählt, das ist ungeachtet der Gründe eine hohe Wahrscheinlichkeit weiter steigender Benzinpreise, und deshalb ist die Fragestellung nach den Alternativen für Pendler sehr berechtigt. Wer sich dennoch für die wirtschaftlichen Zusammenhänge interessiert, wird die einschlägigen Zeitungen und Zeitschriften wie Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine, Spiegel, Fokus usw. bereits gut kennen.

Sparsame Fahrweise

Unabhängig davon, welches Auto man eigentlich fährt, kann man bereits durch eine sparsame Fahrweise den Benzinverbrauch in etwa halbieren. Ausschlaggebend ist die eigene Disziplinierung auf eine moderate Höchstgeschwindigkeit. Wer sich die Zeit nehmen kann und auch auf der Autobahn nur ca. 100 km/h im fünften oder sechsten Gang fährt, wird es sofort bemerken, dass sich die Reichweite mit einem vollen Tank drastisch erhöht.

Der physikalische Hintergrund dessen ist die Nichtlinearität der Reibungskraft, in diesem Fall vor allem die Luftreibung, aber auch der Rollwiderstand der Reifen und der Lager. Gemeint ist damit, dass bei doppelter Geschwindigkeit nicht die doppelte Energie, sondern eher die vierfache Energie und sogar noch etwas darüber hinaus erforderlich ist.

Aus diesem Grunde schnellt der Benzinverbrauch bei Geschwindigkeiten über 160 km/h so extrem in die Höhe.

Aber sparsame Fahrweise beinhaltet noch mehr. Das rasante Beschleunigen nach jeder roten Ampel im Stadtverkehr erfordert viel Kraftstoff. Das muss nicht sein. Besonders diejenigen, die bestimmte Wege immer wieder fahren, kennen oft die Ampelphasen recht gut. Ja, da gibt es Strecken, die man etwas am Limit fahren sollte, um die nächste Grünphase gerade noch zu schaffen, aber es gibt auch Passagen, die darf man moderat beginnen, und wenn man die 50 km/h erreicht hat, kann man das Auto bereits im Lehrgang ausrollen lassen (was der Fahrlehrer nicht sehen mochte), um an der nächsten Rotphase nur noch die restlichen 30 km/h abbremsen zu müssen. Es geht also darum, routiniert, vorausschauend und intelligent Auto zu fahren.

Organisation ist alles

Viele Pendler arbeiten in einem größeren Betrieb oder Behörde und haben entsprechend viele Arbeitskollegen, die beispielsweise per E-Mail oder „Schwarzes Brett“ im Hause angesprochen werden können. So ist es relativ einfach möglich, Fahrgemeinschaften zu organisieren. Dazu verabreden vier oder fünf Kollegen Haltestellen, an denen jeweils einer von ihnen mit einsteigen kann.

Dabei muss nicht unbedingt jeder von zu Hause abgeholt werden. Manchmal gibt es günstig gelegene Parkplätze in der Nähe einer Autobahnauffahrt, wo auch schon mal gleich zwei oder drei Kollegen mit ihren Autos hinfahren können, was sich als Treffpunkt anbieten würde.

Selbstverständlich wechseln sich dann die Fahrer (und Fahrzeuge) der Gesamtstrecke in gerechter Weise ab, sodass eine komplizierte finanzielle Abrechnung überhaupt nicht erforderlich wird. Aber in der Summe über das Jahr gerechnet, ist diese Maßnahme mit Abstand die Lohnenswerteste. Dafür kann man sehr wohl die kleinen Einschränkungen in Kauf nehmen, die mit dem Verzicht auf die Freiheit des eigenen Autos verbunden sind. Im Übrigen fördern Fahrgemeinschaften soziologisch nachgewiesen die freundschaftlichen Beziehungen unter Arbeitskollegen.

Der normale Fahrtarif der Deutschen Bahn für Einzelfahrten ist sicher keine Alternative, da dieser auf Dauer in der Regel viel zu teuer sein wird. Wer täglich pendelt – und die Lage der Bahnhöfe ist günstig, sowohl zum Wohnort als auch zur Arbeitsstätte, sollte sich die Möglichkeiten hinsichtlich einer Jahreskarte (ggf. BahnCard 100) sehr genau erläutern lassen. Günstiger als bei Alleinfahrten mit dem Auto fährt man damit meistens schon. Nachdem nun (endlich) auch Busunternehmen beliebige Städte verbinden dürfen, ist für die Deutsche Bahn eine interessante Konkurrenz entstanden, die sich ggf. auch für viele Pendler sehr vorteilhaft auswirken kann.

Realistisch rechnen

Genau rechnenAbschließend sei noch darauf hingewiesen, dass das Autofahren meistens viel teurer ist, als viele, die immer so gern mit spitzem Bleistift rechnen, annehmen, und das gilt sogar auch für Fahrgemeinschaften. Bitte machen Sie nicht den Fehler und summieren nur die Kosten für Benzin und Motoröl.

Jeder weiß, dass zum Unterhalt eines Autos die Anschaffungskosten, Versicherungskosten, KFZ-Steuern, Reparaturen, TÜV usw. gehören. Die Tabellen, die beispielsweise der ADAC über die fahrzeugspezifischen Kosten pro Kilometer herausgibt, sind am Ende wirklich realistisch. Ist man diesbezüglich einmal ganz ehrlich, dann erkennt man, dass die Fahrpreise der Deutschen Bahn nicht einmal so sehr im Luxus schwelgen.

Würde man sein Auto ganz abschaffen, dann würde jeden Monat eine ordentliche Portion des Einkommens übrig bleiben, die man bei den öffentlichen Verkehrsmitteln kaum ausgeben kann. Die Aussage „ich brauche mein Auto“ hat sehr viel mit Bequemlichkeit, aber nicht unbedingt mit absoluter Notwendigkeit zu tun, oder?!

Bildquellen
Artikelbild: ©panthermedia.net Carsten Erler
Unten: ©panthermedia.net Elena Elisseeva

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