Kolumne

Wasserkraft für die Bahn

Von: Tilman Weigel

Es hört sich an wie ein Schildbürgerstreich: in der Nähe von Gemünden gibt es ein Kraftwerk, bei dem Wasser mit viel Energie zunächst den Berg hoch gepumpt wird und dann wieder den Berg hinunterfließt, um Strom zu erzeugen.

Das Oberbecken des Pumpspeicherwerks – Foto: ProfessorX

Was sich absurd anhört, macht bei näherer Betrachtung Sinn. Das Pumpspeicherwerk Langenprozelten funktioniert nämlich wie ein Akku. Es speichert Energie, bis sie gebraucht wird. Gerade im Zusammenhang mit der Energiewende wird viel über diese Einrichtungen geredet – und gestritten. Sie sollen die Energie aufnehmen, wenn Wind und Sonne mehr Energie produzieren als benötigt wird, und abgeben, wenn Energie gebraucht wird.

Das Kraftwerk am Sindersbach war nicht das erste in Bayern, es ist bis heute allerdings das größte – und das einzige in Deutschland, das der Erzeugung von Bahnstrom dient. Denn nicht nur Sonne und Wind machen den Stromanbietern das Leben schwer. Auch konventionelle Kraftwerke können ihre Leistung nicht einfach steigern oder senken. Vor allem Kernkraftwerke nicht, die ab den 1960er Jahre zunehmend gebaut wurden.

Das untere Becken – Foto: Presse03

Bei der Bahn entschied man sich deshalb, Anfang der 1970er Jahre in der Nähe des damaligen Bahnknotens Gemünden ein Pumpspeicherwerk zu errichten, um billigen Nachtstrom den Berg hinauf zu pumpen. Wenn in der Hauptverkehrszeit am Morgen und Abend besonders viele Züge unterwegs sind, fließt das Wasser über einen 1,3 Kilometer langen Stollen wieder nach unten und treibt die 330 Meter tiefer gelegenen Turbinen an. Fast 1.000 Megawattstunden Strom lassen sich so speichern, um in der Spitze bis zu 160 Megawatt zu produzieren. Oder anders ausgedrückt: rund sechs Stunden lang könnte man die Turbinen mit voller Kraft laufen lassen, dann muss wieder Wasser heraufgepumpt werden. Mindestens sieben Stunden lang, denn das Pumpen dauert etwas länger.

Ganz ohne Wasserzufluss kommt übrigens auch dieses Kraftwerk nicht aus. Weil regelmäßig Wasser verdunstet, muss aus dem Sindersbach Wasser abgeführt werden. Allerdings fließt der ins Unterbecken, auch dieses Wasser muss also nach oben gepumpt werden. Außerdem fällt er im Sommer oft trocken, weshalb ein zusätzliches Rückhaltebecken Wasser speichert.

Vom Druckstollen ist nicht viel zu sehen. Anders als beispielsweise beim Walchenseekraftwerk mit den charakteristischen Rohren zwischen Walchen- und Kochelsee läuft das Wasser unterirdisch. Gut zu sehen sind dagegen das Oberbecken und das rund einen Kilometer nördlich gelegene Unterbecken. Weil das Becken künstlich angelegt wurde, ist es nahezu völlig einbetoniert. Sehenswert ist die Anlage trotzdem. Das geht zum Beispiel vom Maintalhöhenringweg aus, der am Oberbecken vorbei führt. Oder von Lohr aus auf dem mit dem Fuchs markierten Weg.

Kommentar hinterlassen