Kolumne

Was, Sie kennen Rinchnach nicht?

Von: Tanja Ranzinger

Die kleine Gemeinde Rinchnach liegt recht zentral im Bayerischen Wald. Genauer gesagt, in der Nationalparkregion des Bayerischen Waldes. Gleichzeitig gilt sie als älteste Kulturstätte im mittleren Bayerischen Wald.

Geschichtlicher Überblick

Wer hätte gedacht, dass es bei vor ungefähr 1.000 Jahren noch einen richtigen Urwald gab? Der Mittlere Bayerische Wald, wurde damals auch Nordwald genannt. Während das linke Donauufer von Regensburg bis nach Passau bereits zur Zeit der Römer bewohnt war, sowie auch die Gegend um Cham in dieser Zeit bereits als kultiviert galt, gab es hingegen bei uns nur Wald, den sogenannten Nordwald.

Rinchnach, mehr als nur ein Dorf – Foto: Reinhold Ertl

In diese Wildnis brachte der heilige Eremit Gunther die Kultur. Alles begann, als er sich im Jahre 1008 auf dem Ranzinger Berg bei Lalling (Deggendorf) niederließ. Dort wollte er ein strenges Einsiedlerleben führen. Sein Wunsch dabei war es, vor der Welt verborgen zu bleiben, was sich nicht erfüllte. Gläubige besuchten ihn, um sich seinem Gebet zu empfehlen oder um sich einfach nur einen Rat zu holen.

Dies führte dazu, dass er drei Jahre später noch tiefer in den Nordwald ging, in die Gegend, in der heute die Gemeinde Rinchnach ist. Zur damaligen Zeit lebten dort nur Raubtiere wie Bären, Wölfe und Luchse. In dem von ringsum durch Berge geschützten Tal, schlug Gunther 1011 seine zweite Zelle aus und legte dabei den Grundstein zur Besiedelung.

Es dauerte nicht lange und Klosterbrüder gesellten sich zu ihm. Mit dem Gedanken daran, das Mönchsleben in seiner ursprünglichen Form wieder aufleben zu lassen, bekam er von Heinrich dem II. die Zustimmung, den Nordwald zu roden. Jahr um Jahr machte Gunther sich daran, den Wald zu roden und somit anbaufähiges Land zu bekommen. Zusammen mit seinen Gefährten errichtet er bald darauf ein kleines Kirchlein, welches 1019 von Bischof Berengar feierlich eingeweiht wurde. 20 Jahre arbeite Gunther an der Rodung des Tales. Nach der Inkorporation des Klosters wurde mit Hilfe des Mutterklosters Niederalteich die Kultivierung in noch größerem Maßstab fortgesetzt.

Rinchnach heute

Rinchnach liegt im schönen Bayerischen Wald – Foto: Reinhold Ertl

Heute gilt das ehemals kleine Kirchlein, die ehemalige Klosterkirche als die schönste im Bayerischen Wald, samt seinen denkmalgeschützten ehemaligen Klostergebäuden im Umfeld der Probsteikirche.

Heute leben in Rinchnach etwa 3.270 Menschen (Stand Juni 2009). Die Gemeindefläche beträgt 40,20 km². Bekannt ist Rinchnach in der heutigen Zeit vor allem als Urlaubsregion, aber auch für ihr Brauchtum.

Jedes Jahr wird unter zahlreichen Schaulustigen das Brauchtum des „Wolfauslassens“ gepflegt.

Der Erholungsort Rinchnach als Urlaubsdomizil hat einiges zu bieten. Wanderwege, Reiten, Radfahren, Nordic Walking, Ski-Langlauf und eine tolle Sportanlage stehen für sportbegeisterte Urlauber zur Verfügung. Ein weiterer Pluspunkt ist der nahegelegene Arber, der ebenfalls neben schönen Wanderrouten natürlich als Skigebiet bestens geeignet ist.

Sehenswürdigkeiten in und um Rinchnach

– ehemalige Klosterkirche

– Wallfahrtskirche „Frauenbrünnl“ (mit Aussichtplattform)

– Nationalpark Bayerischer Wald

– Felswandergebiet

– Waldspielgelände (Spiegelau)

– größter Baumwipfelpfad der Welt (St. Englmar)

– Arber

– Arbersee

– Rachelsee uvm.

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