Kolumne

Walther von der Vogelweide – Minnegesang auf Bayerisch?

Von: Tilman Weigel

Wo Walther von der Vogelweide geboren wurde, ist bis heute unbekannt. Neben Lajen in Südtirol und Frankfurt am Main beansprucht auch das mittelfränkische Treuchtlingen den berühmten Minnesänger für sich. Auch sein Todesort ist unbekannt, allerdings nennt eine alte Quelle Würzburg als Todesort.

Walther von der Vogelweide in der Großen Heidelberger Liederhandschrift

In jedem Fall gibt es dort, im Lusamgärtchen, ein Grabmahl für den Minnesänger. Der Würzburger Notar Michael de Leone jedenfalls will wissen, dass der Dichter im Kreuzgang des Neuen Klosters begraben wurde. Den von ihm beschriebenen Grabstein gibt es allerdings nicht mehr. Man vermutet, dass er um 1750 bei Umbauten entfernt wurde. Erst 1930 wurde das heutige Grabmal aufgestellt.

Viel weiß man auch sonst nicht über den wahrscheinlich bedeutendsten deutschsprachigen Minnesänger. Vom späteren Kaiser Friedrich erhielt er ein Lehen, doch nicht einmal davon weiß man, wo es lag. Sollten Michael de Leones Beschreibungen stimmen, dürfte es im Würzburger Raum gewesen sein. Es ist allerdings auch möglich, dass dieses Lehen nicht aus Land, sondern aus einer regelmäßigen Geldzahlung bestand.

Eine der wenigen Quellen ist eine Geldzahlung des Passauer Bischofs Wolfger am Erla 12. November 1203. Walther erhielt von ihm fünf Schillinge für den Kauf eines Pelzmantels. Der Minnesänger Wolfram von Eschenbach lästert einmal, dass sein Kollege lieber in Tegernsee Wasser statt Bozener Wein trinke. Daraus wurde teilweise auf eine Herkunft aus dem Bozener Raum geschlossen. Allerdings dürfte die Nennung der Südtiroler Stadt eher damit zu tun haben, dass das Kloster Tegernsee dort seine Weinberge hatte. Zumindest hielt er sich wohl eine Zeitlang am Tegernsee auf.

Sein Grabmal im ehemaligen Kollegiatstift Neumünster in Würzburg

Mehr als über sein Leben weiß man über seine Dichtung. Immer wieder stellt sich Walther darin gegen den Papst und an die Seite der deutschen Kaiser. Neben der politischen Dichtung ist vor allem sein Minnesang überliefert. Anders als in der Hohen Minne, in der die unerfüllte Liebe eines Mannes zu einer überhöht dargestellten Frau besungen wird, kommt vor allem in Walthers späteren Liedern die Liebe auf gleicher Ebene vor. In „herzeliebez vrouwelin“ ist sogar von der Liebe zu einem Mädchen die Rede, die nach Meinung vieler Germanisten nicht adelig war. Sozusagen eine Art mittelalterliches „Pretty Woman“.

Ob Walther von der Vogelweide Bayer war oder wenigstens in Bayern begraben liegt ist also ungewiss. Sicher ist dagegen, dass uns viele seiner Werke durch die Würzburger Liederhandschrift überliefert sind. Und die liegt in Bayern, allerdings nicht in Würzburg, sondern in München.

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