Kolumne

Von Watzmännern, Watzfrauen und Watzkindern

Von: Eranie Funderburk

Einer Sage nach herrschte vor vielen, vielen Jahren ein grausamer König im Berchtesgadener Land, im heutigen Oberbayern. Sein Name war König Watzmann. Er liebte es, Menschen und Tiere zu quälen und sein größtes Hobby war die Jagd. Eines Tages, als er wieder einmal mit seiner Familie zur Jagd ging und dabei eine Familie grausam zu Tode quälte, da wurden er, seine Frau und seine sieben Kinder verflucht. König Watzmann und seine Familie verwandelten sich in riesige Felsen. Das Blut der Königsfamilie floss dabei zusammen und bildete den Königssee und den Obersee. Seitdem gelten der Watzmann, die Watzmannfrau und die Watzmann-Kinder als Wahrzeichen des Berchtesgadener Landes.

Der Watzmann in seiner ganzen Pracht – Foto: © Marco Barnebeck / PIXELIO

Der Watzmann und seine Familie sind ein Teil der Berchtesgadener Alpen. Sie befinden sich mitten im Nationalpark Berchtesgaden zwischen Ramsau und Schönau am Königssee. Der Watzmann ist der achthöchste Berg Deutschlands. Seine Mittelspitze befindet sich in 2.713 Metern Höhe. Diese ist mit der Südspitze (Höhe: 2.712 Meter) und dem Hocheck (Höhe: 2.651 Meter) verbunden. Man unterscheidet den Großen Watzmann, den Kleinen Watzmann (auch Watzmannfrau genannt, sie ist 2.307 Meter hoch) und die Watzmann-Kinder. Sehr bekannt ist auch die höchste Wand der Ostalpen, die sogenannte Watzmann-Ostwand (ca. 2.000 Meter abfallend).

Die Entstehung abseits der Sage

Nur für geübte Kletterer: die Überschreitung der Mittelspitze – Foto: Scheiter W.

Entstanden ist die Gebirgskette des Watzmann und seiner Familie vor etwa 230 Millionen Jahren. Man findet hier neben Fossilien eine Vielzahl an Tieren und Pflanzen. Einige Pflanzen wachsen nur im Gebiet des Watzmann. Dazu zählen zum Beispiel die Wilden Alpenveilchen und die Tauernblümchen. Wer einmal eine Watzmann-Tour unternommen hat, der wird unterwegs Schneehasen, Steinadler, schwarze Kreuzottern und viele andere Tiere entdeckt haben. Der Watzmann ist aber auch für seine Schnee- und Eisfelder bekannt. Hierzu gehören der Watzmannsgletscher und die Eiskapelle.

Berge üben auf viele Menschen eine solche Faszination aus, dass diese unbedingt die Gipfel erklimmen wollen. Der erste Mensch, der die Mittelspitze des Watzmann bestieg, war der Slowene Valentin Stanic 1799 oder 1800. Man ist sich über das genaue Datum bis heute nicht ganz einig. 1832 eroberte der österreichische Meteorologe Peter Karl Thurwieser die Südspitze des Watzmann. 1852 wurde der Gipfel des Kleinen Watzmann vom Ramsauer Bergführer Johann Grill und Johann Pünz erreicht. 1868 eroberten die beiden, zusammen mit dem Österreicher Albert Kaindl, die drei Watzmannspitzen Hocheck, Mittelspitze und Südspitze. 1881 schafften es Johann Grill und der Wiener Alpinist Otto Schück, innerhalb von 14 Stunden die Ostwand des Watzmann zu besteigen.

Die Watzmannfrau und ihre Kinder – Foto: Scheiter W.

Auch heute kann man den Watzmanngrat beschreiten. Je nachdem, wie fit die Bergwanderer sind, dauert die „Watzmannüberschreitung“ ca. 12 bis 15 Stunden. Die Bartholomäwand, besser bekannt als die Ostwand der Watzmann-Südspitze, zählt zur höchsten Steilwand der Ostalpen. Diese Wand ist nicht ganz ungefährlich. 100 Menschen starben beim Versuch, die Felswand zu erobern. Grund ist dabei nicht der Fels selbst, sondern die schlechten Orientierungsmöglichkeiten und die sich schnell ändernden Witterungsverhältnisse, die man so schlecht einschätzen kann. Sogar Profi-Bergsteiger haben großen Respekt vor dieser Steilwand.

Natürlich gibt es auch noch andere Routen und Wanderwege, die sich vom Schwierigkeitsgrad her unterscheiden. Einfache Routen findet man in der Westwand des Kleinen Watzmann (Watzmannfrau). Vom Norden aus kann man die Watzmann-Kinder am leichtesten erreichen.

Wer ein paar Tage im Berchtesgadener Land verbringt, der kann neben dem Watzmann auch noch den Berchtesgadener Nationalpark, den Königssee, den Zauberwald und viele weitere Sehenswürdigkeiten besuchen.

 

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