Kolumne

Von Brunnen und Böden – Die Münchner Schotterebene

Die Münchner Schotterbene Die Münchner Schotterbene
Die Münchner Schotterbene

Die Münchner Schotterbene

Münchner Schotterebene – das klingt beim ersten Hinhören nicht sehr spannend. Mehr nach einer Pflichtvorlesung in Geologie, nach Ereignissen, die man irgendwo im Pleistozän einordnen muss.

Und schon sind wir mittendrin in zweieinhalb Millionen Jahren Erdgeschichte, in Eiszeiten, Kaltzeiten, Warmzeiten. Ganz so unspannend ist die Sache aber nicht und daher auch für Schulklassen durchaus sehr interessant.

Denn der Geologie der Münchner Schotterebene ist es zu verschulden, dass viele Ortschaften im Südosten Münchens auf -brunn enden. Putzbrunn, Ottobrunn, Grasbrunn, Siegertsbrunn. Und wieder sind wir wieder mittendrin, diesmal im Hier und Jetzt. Aber endlich mal von Anfang an: Die Münchner Schotterebene ist riesig, etwa 1.500km², eine Fläche so groß wie London, in etwa ein Dreieck zwischen Weyarn im Südosten, Moosburg im Nordosten und Maisach im Westen, also quasi der ganze Nordosten Münchens bis hinter den Flughafen.

Germering die l(i)ebenswerte Stadt

Drei Eiszeiten später

Genau hier drückten sich während drei Eiszeiten gewaltige Gletschermassen durch. Richtig schwere Heinzis, sie verdichteten den Boden, wälzten ihn platt und hinterliessen nach dem Abschmelzen tausende Tonnen Gestein und Schotter.

Im Süden der Münchner Schotterebene ist diese Schicht knapp 100 Meter dick. Und genau wegen diesen Gletschern ist diese Gegend auch so furchtbar flach – egal, wohin das Auge blickt: kein Hügel, kein Berg. Flachland. Was wiederum die Entstehung von Mooren begünstigte.

Erdinger Moos und Freisinger Moos dürften vielen ein Begriff sein. Die Brunnensache will noch geklärt werden. Nun, die Topographie der geplätteten Schotterebene hat kaum Bäche und Flüsse, vor allem nicht im Süden. Wer dort siedeln wollte, musste einen Brunnen graben. Diese Brunnen von einst sind in den heutigen Stadtnamen immer noch enthalten.

Wir flitzen mit dem HP Scorpion von Geisenbrunn nach Germering

Der Krater von Trudering

Wie gefährlich dieser Schotter sein kann, zeigt ein Unfall aus dem Jahr 1994. Beim Bau einer U-Bahnstrecke zur neuen Messestadt in Riem kam es zu einem Wassereinbruch in die Tunnelbaustelle, woraufhin sich unter der darüberliegenden Fahrbahn ein Hohlraum bildete.

Ein darauf verkehrender Bus stürzte durch die Fahrbahndecke mit dem Heck voran in dieses zehn auf zehn Meter große Loch. Drei Menschen fanden damals den Tod. Die Münchner Schotterebene: langweilig? Von wegen!


Artikelbild Oben: ©panthermedia.net Helmut Knab

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