Kolumne

Verbündet, verfeindet, verschwägert – vereint?

Von: Tilman Weigel

Sollte es verschwägert heißen? Oder besser verwandt? Oder sogar vereint? Schon das Motto ist unter den Besuchern umstritten. Kein Wunder, denn mit dem Thema Bayern und Österreich haben die Veranstalter vom Haus der Bayerischen Geschichte ein emotionales Thema gewählt.

Jedes Jahr findet in einem anderen Ort die Bayerische Landesausstellung statt. 2011 war es König Ludwig II., dem man sich in Herrenchiemsee widmete. Auch der Wiederaufbau (2009 in Würzburg), bayerische Frauen (1998 in Ingolstadt) und Schloss Blutenburg (erste Landesausstellung 1983 in München) waren schon Themen.

Die Nähe zueinander brachte immer wieder Streit – Grafik: TUBS

Dieses Jahr ist es eine gemeinsame Landesausstellung der Länder Bayern und Oberösterreich, weshalb mit Mattighofen und dem Kloster Ranshofen bei Braunau auch ein österreichischer Standort mit dazu gehört. Braunau und Burghausen eigenen sich besonders gut, denn beide Orte liegen an der Salzach, die in dieser Region die Grenze zwischen Bayern und Österreich markiert. Das Innviertel gehörte außerdem lange Zeit zum Herzogtum Baiern und kam erst Ende des 18. Jahrhunderts zu Österreich. Auch Tirol war lange Teil Bayerns und wenn bayerische Touristen in Südtirol heute Andreas Hofer bewundern vergessen sie oft, dass der nicht nur gegen die Franzosen, sondern vor allem gegen die Bayern gekämpft hat.

Im 8. Jahrhundert gehörten sogar weite Teile des heutigen Österreich zum baierischen Stammesherzogtum. Dort siedelten viele bajuwarische Siedler, weshalb bis heute die österreichischen wie auch die südtiroler Dialekte auch als baierische Dialekte  gelten. Erst 1156 wurde die Marcha orientalis ein von Bayern unabhängiges Herzogtum.

Die Ausstellung findet unter anderem im Schloss Mattighofen in Braunau am Inn statt – Foto: Luckyprof

Gestritten hat man sich weiterhin viel. Man denke an die Mordweihnacht von Sendling oder daran, dass die Wittelsbacher Ende des 18. Jahrhunderts mit den Habsburgern Baiern beinahe gegen die Österreichischen Niederlande getauscht hätten. Aber auch Handelsbeziehungen und Hochzeiten gab es. Kaiserin Sissi war eine gebürtige Münchnerin, ihr Großvater der bayerische König Maximilian I.

Nicht nur die Altbaiern haben viele Verbindungen zu Österreich. Auch Franken und Schwaben haben Anknüpfungspunkte. Allen voran natürlich die ehemaligen Freien Reichsstädte wie Nürnberg oder Augsburg. Sie unterstanden direkt dem Kaiser, der meist Habsburger war. Den Nürnbergern gefiel das so gut, das sie im 19. Jahrhundert lieber Österreicher statt Bayern geworden wären. Aber auch österreichische Glaubensflüchtlinge in Franken gehören in die Rubrik der beiden Regionen mit den Farben rot und weiß.

Die Ausstellung findet noch bis zum 4. November in Burghausen, im Schloss Mattighofen und im Kloster Ranshofen bei Braunau in Österreich statt. Im bayerischen Burghausen werden die bayerisch-österreichischen Beziehungen im Mittelalter beleuchtet, im oberösterreichischen Braunau und in Mattighofen die Neuzeit. Wer nicht nach Burghausen fahren möchte, kann Themen der Landesausstellung auf den Seiten des Bayerischen Rundfunks ansehen oder als Podcast anhören.

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